40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Studenten als moralische Wracks
  • Kritik: Studenten als moralische Wracks

    Glaubt man Roger Avary, dann herrscht an manchen amerikanischen Hochschulen Sodom und Gomorrha. Sein Film "Die Regeln des Spiels" nach einem 1987 erschienenen Roman des amerikanischen Skandalautors Bret Easton Ellis führt ein Campusleben vor, bei dem moralische Grenzen nichts mehr wert sind.

    In diesem nihilistischen Mikrokosmos suchen skrupellose Studenten stets nur nach dem nächsten Kick durch Sex und Drogen. Leider überfrachtet Avary das sarkastische Gesellschaftsdrama mit unnötigen erzähltechnischen Spielereien.

    In dem Drehbuch steckt angeblich jahrzehntelange Arbeit

    Am liberalen Camden College in New England verliebt sich der oberflächliche Gelegenheitsdealer und Frauenheld Sean ausgerechnet in die scheue Lauren, die als Jungfrau auf den Traumprinzen wartet. Lauren war früher mit dem bisexuellen Paul liiert, der sich jetzt zu Sean hingezogen fühlt. Kuriose Akzente im Beziehungsgeflecht setzen weitere Freunde und Verwandte wie Pauls tablettensüchtige Mutter, eine nymphomane Kommilitonin, ein zynischer Student auf schrillem Europa-Trip und ein drogengeiler Dozent, der von seinen Studentinnen auch sexuelle Dienstleistungen fordert.

    Nach "Unter Null" und "American Psycho" kommt mit "Die Regeln des Spiels" die dritte Verfilmung eines Romans des US-Autors Bret Easton Ellis in die hiesigen Kinos. Roger Avary, bekannt als Co-Drehbuchautor von Quentin Tarantinos Gangsterballade "Pulp Fiction", soll sich über 15 Jahre mit dem Stoff herumgeschlagen haben, bis er ihn endlich bändigte.

    Krampfhafte Suche nach Originalität

    Die krampfhafte Suche nach formaler Originalität ist seinem zweiten Film nach "Killing Zoe" auch anzumerken. Während die Zweiteilung der Leinwand bei der ersten romantischen Begegnung zwischen Sean und Lauren noch dramaturgisch überzeugt, wirken die Wiederholungen, die sich durch die Rückblenden zu den Vorgeschichten des Hauptfigurentrios ergeben, albern. Andere Schlenker in der Erzählstruktur wirken schlicht bemüht.

    Zuschauerherzen bleiben kalt

    In der prätentiösen Collage permanenter egozentrischer Machenschaften schafft es auch das solide zusammengestellte und engagiert spielende Darstellerensemble nicht, die weitgehend eindimensionalen Figuren mit wirklichem Leben zu erfüllen. Zu exzessiv treiben Sean Co ihre Drogenexzesse und Lustexperimente auf der Leinwand und zu weit schweben sie über dem gängigen Universitätsalltag mit Seminarbesuchen, Prüfungen und Geldsorgen, als dass sich irgendein Zuschauerherz für ihr deprimierendes Schicksal ernsthaft erwärmen könnte.

    Reinhard Kleber. ddp

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    -3°C - 4°C
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -3°C - 2°C
    Dienstag

    -2°C - 4°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!