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  • Kritik: Stringent komponiertes Erstlingswerk

    Langsam gleitet die Kamera über einen Raststättenparkplatz. Bei einem kurzen Zwischenstopp nutzt ein 19- jähriger Rekrut (Lennie Burmeister) die Gelegenheit, sich unauffällig unter eine Reisegruppe zu mischen. Während die Kompanie den Rückweg zur Kaserne antritt, schleicht sich der junge Mann in das Ferienhaus seiner abwesenden Eltern.

    In seinem Debütfilm "Bungalow" schildert der deutsche Regisseur Ulrich Köhler mit stilistischer Geschlossenheit den Leerlauf der Zeit zwischen Jugend und Erwachsensein. Sein überraschendes Erstlingswerk, das 2002 bei den Berliner Filmfestspielen seine Premiere feierte, wurde auf verschiedenen Filmfestivals mit Preisen dekoriert.

    Profi-Skater spielt die Hauptrolle

    Das Skript zu "Bungalow" verfasste der Hamburger Kunsthochschulabsolvent Köhler gemeinsam mit der deutschen Drehbuchautorin Henrike Goetz. Produziert wurde das ambitionierte Erstlingswerk von der Hamburger Peter Stockhaus Filmproduktion. Bei der szenischen Umsetzung setzten der Regisseur und sein Kameramann Patrick Orth auf ein stringentes visuelles Konzept. In exakt komponierten Bildern werden dem Zuschauer die Szenen in Realzeit vor Augen geführt, wobei sich die Perspektive nur selten durch einen Schnitt verändert. Als Hauptdarsteller engagierte Köhler den 20- jährigen Profi-Skater Burmeister sowie den jungen Nachwuchsschauspieler Devid Striesow.

    In "Bungalow" kehrt der Fahnenflüchtling an den Ort seiner Kindheit zurück, wo er schnell wieder dem Reflex alter Rollenmuster folgt. Als sein großer Bruder (Striesow) überraschend mit seiner attraktiven Freundin (Trine Dyrholm) im Haus auftaucht, provoziert er ihn bewusst mit seinem aufsässigen Verhalten. Trotzdem ihm eine Verhaftung durch die Feldjäger droht, zögert er ziellos seine Flucht immer wieder hinaus. Der schwelende Bruderkonflikt mündet schließlich in der Rivalität um eine Frau.

    Kleines hessisches Städtchen schaute neugierig zu

    Bei den Filmaufnahmen im hessischen Städtchen Bad Endbach belagerten die Jugendlichen neugierig den deutschen Skate-Meister. Nach Drehschluss musste er ihnen stets seine waghalsigen Tricks zeigen, berichtet der Produzent. Der Regisseur hatte jedes Mal Angst, dass er sich dabei seine Knochen bricht. Auch die älteren Einwohner verfolgten begeistert die Produktion. "Um einen Stau aufzunehmen, suchten wir Statisten mit eigenen Autos", erzählt Stockhaus. "Nach einer einzigen Zeitungsanzeige stand das Telefon bei uns nicht mehr still."

    Lakonische Dialoge ohne Musik

    In seinem Kino-Debüt, das der junge Regisseur in ausdruckstarken Schwarzweiß-Bildern an einem verlorenen Ort inszeniert hat, wird mit lakonischen Dialogen und einem zurückgenommenen Gestus der Darsteller die Nichtkommunikation thematisiert. Um diese Atmosphäre zu verstärken, verzichtete Köhler vollkommen auf den Einsatz von Filmmusik. Mit dieser minimalistischen Erzählweise, die ohne gängige Stereotypen auskommt, vermittelt Köhler überzeugend das von Leere und Lethargie geprägte Lebensgefühl seines Protagonisten.

    Birgit Heidsiek, dpa

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