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  • Kritik: Streckenweise langweilig

    Biederer Schluss überrascht nicht

    Streifen wie John Hustons "Der Malteser Falke" (1941) und Howard Hawks "Tote schlafen fest" (1946) wurden samt Hauptdarsteller Humphrey Bogart zu Kult. Ein leider erfolgloser Versuch, an diese Tradition anzuknüpfen, ist der Psycho-Thriller "The Deep End - Trügerische Stille" von Scott McGehee und David Siegel. Für den Streifen haben beide gemeinsam Regie, Drehbuch und Produktion übernommen.

    Tilda Swinton ("Orlando", "The Beach") spielt eine aufopfernde Familienmutter, die eine Leiche verschwinden lässt, weil sie glaubt, dass ihr homosexueller Sohn (Jonathan Tucker) als Mörder verdächtigt werden könnte. Ihr Leben gerät gänzlich aus den Fugen, als sie daraufhin mit einem Sex-Video erpresst wird - und sich dann auch noch in den Erpresser (Goran Visnjic) verliebt.

    Die Geschichte basiert auf Elisabeth Sanxay Holdings Roman "The Blank Wall" (1947), den Alfred Hitchcock 1959 in seine Anthologie "My Favorites In Suspense" aufgenommen hat. Bereits 1949 war er von Meisterregisseur Max Ophüls unter dem Titel "The Reckless Moment" ("Schweigegeld für Liebesbriefe") verfilmt worden.

    McGehee und Siegel ersetzen die ursprüngliche Mutter-Tochter- Beziehung durch die Homosexuellen-Thematik und verlagern das Geschehen an den Lake Tahoe, den zehntkältesten See der Welt, malerisch in der Sierra Nevada gelegen. Das türkisfarbene Gewässer und seine eisige Ausstrahlung bilden den atmosphärisch starken Grundtenor dieser Produktion. Kameramann Giles Nuttgens, dafür in diesem Jahr beim Sundance Film Festival ausgezeichnet, zeigt See und Wald sowie das am Ufer gelegene gediegene Anwesen der Familie in ausdrucksstarken Bildern. Virtuos lässt er dabei das Licht dominieren, taucht Landschaft, Haus und Menschen in kühle, grelle Helligkeit, die alles überwirklich erscheinen lässt und im Kontrast zu den Schatten im Innern der Personen steht.

    Immer wieder rückt Nuttgens Kamera nah an das Gesicht Tilda Swintons, das neben dem Tahoe-See die zweite Hauptrolle zu spielen scheint. Bei sparsamster Mimik gelingt es der herben Schönheit Twinton, der Seelenkrise ihrer Heldin Ausdruck zu geben. Ihr schottischer Porzellan-Teint scheint förmlich Sprünge zu bekommen, hinter denen Zweifel an allem bisher für sicher Gehaltenen lauern.

    Der Rest des Films überzeugt weniger: "The Deep End" geht nicht unter die Haut. Die Handlung wirkt nicht immer logisch, so wie die wenig nachvollziehbare Wandlung des Erpressers zum Beschützer. Der Kroate Visnjic spielt die Liebesgefühle für sein früheres Opfer nicht glaubhaft aus. Zudem haben die beiden Regisseure die Geschichte mit einer aufdringlichen Wasser-Symbolik überfrachtet - vom Aquarium über Schifffahrts-Gemälde bis zu Waschmaschine und "Schwanensee"-Ballett.

    In dem psychologisch wenig tiefschürfenden und streckenweise sogar langweiligen Thriller kann der biedere Schluss nicht überraschen, bei dem die familiäre Liebe siegt. Diese Harmlosigkeit vor allem verdeutlicht den Unterschied zum klassischen "Film noir", der es vermochte, fundamentalen Erschütterungen des bürgerlichen Weltbildes in einer von Katastrophen heimgesuchten Zeit künstlerische Form zu verleihen.

    Ulrike Cordes, dpa

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