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  • Kritik: Stilvoller Thriller

    Max ist gut drauf. Gerade hat der sympathische, bescheidene Taxifahrer (Jamie Foxx) eine attraktive Juristin durch Los Angeles befördert und dabei sogar einen kleinen Flirt erlebt.

    Doch dann steigt ein Mann mit eisgrauen Haaren in einem eleganten grauen Anzug (Tom Cruise) in seinen Wagen: Was Max mit seinem Passagier Vincent in der nun folgenden Nacht erlebt, erreicht alle Dimensionen eines Albtraums.

    Es ist die Geschichte von Michael Manns ästhetisch aufwendigem Thriller «Collateral», der in den USA in diesem Sommer zum Blockbuster Nummer Eins aufrückte. Eindringliches Spiel der beiden Hauptdarsteller und fulminante Bilder aus der Stadt der Engel mögen neben vielen Action-Szenen die Gründe für den Erfolg beim meist männlichen Publikum sein. Doch auch die US-Kritiker lobten das handwerklich brillante Werk von Mann. Der 61-Jährige, der zunächst beim Fernsehen gearbeitet hatte («Miami Vice»), errang längst Renommee für sein nicht allzu häufiges, aber immer präzises Schaffen als Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent («Ali», 2001; «The Insider», 1999).

    Der Fahrgast in «Collateral» ist Auftragskiller. Vincent zwingt den Taxifahrer, ihm beim Mord an fünf Kronzeugen eines Drogen- Prozesses zu helfen. Die Machtverhältnisse scheinen klar: «Du fährst Taxi, ich mache meine Runde», sagt der coole Mann mit dem Revolver zu Max. Doch ihre blutige Reise führt die beiden auch in ungeahnte Bezirke ihrer eigenen Seelen. Der älter geschminkte Hollywood- Charmeur Cruise (42), in «Samurai» (2003) noch einer von den Guten, ist hier gegen seinen Typ besetzt. Seine Darstellung des Killers verleiht dem Film besondere Spannung: Er wirkt - bis fast zum Schluss - auf smarte Weise brutal. Selbst wenn er lächelt, bleibt er kalt.

    Eigentlicher Held des Films ist jedoch der Träumer Max: Fernseh- Comedian Jamie Foxx (schon in Manns «Ali» dabei) stellt ihn so differenziert dar, dass er Strahlkraft besitzt. Eine weitere Hauptrolle spielt die Stadt Los Angeles: Ausschließlich mit Digitalkameras - immer wieder aus der Luft - aufgenommen, bildet sie die allgegenwärtige Folie für das Psychodrama im Inneren des Taxis. Mal stimmungsvoll verschwommen, mal gestochen scharf erscheinen die Lichter der Häuser und Straßen, die Palmen und die Brücken. Mann inszeniert eine nächtliche Großstadtpoesie, die in ihrer faszinierenden Befremdlichkeit an Sofia Coppolas Überraschungserfolg «Lost in Translation» (2003) erinnert. Mit dem Unterschied allerdings, dass Coppolas Tokio zum Ort einer Liebe wird, während Manns Los Angeles lange nur Hass und Gewalt zelebriert.

    Trotz Schießereien, Schlägereien und Verfolgungsjagden schuf Michael Mann mit «Collateral» keinen Action-Streifen, sondern einen fast übertrieben stilisierten Thriller mit Film-Noir-Elementen, einen kalt funkelnden Diamanten. Musik zwischen Bach und Miles Davis verleiht dem Werk dazu besonderen akustischen Reiz. Überflüssig sind nur der Subplot mit ein paar aufgeregten Polizisten sowie einige allzu große Zufälle des Drehbuchs. Doch das tut dem gepflegten Unterhaltungswert keinen Abbruch.

    dpa

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