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  • Kritik: Steppen im Stahlwerk

    In der australischen Hafenstadt Newcastle träumt der junge Sean (Adam Garcia) einen Traum: Statt wie sein Vater im maroden Stahlwerk zu schuften, will er Stepptänzer werden. Wie es der Arbeitersohn gegen alle Widerstände Schritt für Schritt schafft, seine eigene Compagnie auf die Beine zu stellen, zeigt Dein Perry, Choreograf und erstmals Filmregisseur, im Tanzdrama Bootmen.

    Anders als der Brite Stephen Daldry in dem melancholischem Erfolgswerk "Billy Elliot I Will Dance" (2000) erzählt der Australier Perry seine Geschichte actionreich, schnell und handfest. Damit dürfte er vor allem den Geschmack eines Teenager-Publikums treffen.

    Frappierende, zeitgemäße Tanzszenen

    Tanzfilme haben Tradition im Kino. Waren es in den 30er Jahren aufwändige Ausstattungsproduktionen mit eleganten Stars wie Ginger Rogers und Fred Astaire ("Shall We Dance", 1937), so benutzen Daldry und Perry den Tanz völlig anders: als Vehikel der Selbstfindung und des Aufstiegs aus sozial schwachem Milieu. Dabei unterscheiden sich ihre beiden Werke nicht nur in der Erzählart, auch der Tanzstil ist ein jeweils anderer: Billy lernt klassisches Ballett, Sean rockigen, aggressiven Stepptanz ohne Frack und Zylinder ganz wie einst in seiner Heimatstadt Newcastle der Regisseur selbst, der 1995 die international gefeierten Tap Dogs gegründet hat.

    Frappierende, zeitgemäße Tanzszenen prägen denn auch "Bootmen". Hier beweisen Perry und seine hierzulande meist unbekannten Darsteller, darunter viele Tap Dogs, ihre künstlerische Herkunft. Solo und in der Gruppe, mit Leidenschaft und Können - zwischen Stahlträgern und Metalltoiletten, auf Walzen und Podesten, Treppen und Hafenanlagen wird gesteppt, was das Zeug hält. Nach dem Motto Wenn du tanzt, vergisst du den ganzen Mist, alles, was dich fertig macht, hat Sean die jungen Stahlarbeiter angeheuert. In ihren schweren Arbeitsschuhen, mit entsprechenden Metallplättchen versehen, trainieren sie ihr Programm, das sie in einer riesigen Produktionshalle ihres Werks aufführen wollen und dessen Wirkung sich auch der Kinobesucher nicht entziehen kann. Fetzige Rockmusik, die durch den ganzen Film powert, gibt den Ton an.

    Kämpfe um Leben und Tod

    Daneben wurden jede Menge Themen in die eineinhalbstündige Handlung gepackt: Außer dem Machtkampf mit seinem brummigen Vater (Richard Carter) und der großen Liebe zur Friseuse Linda (Sophie Lee) erlebt der von Musicaltänzer Garcia sympathisch verkörperte Held Eifersucht und Intrigen, tragische Konflikte mit seinem kleinkriminellen Bruder Mitch (Sam Worthington), Kämpfe um Leben und Tod mit einer Jugendbande sowie die Schließung des Stahlwerks. Schnelle Bildfolgen mit Faustkämpfen und Eislaufszenen, Verfolgungsjagden in Autos und auf Motorrädern und die rasanten Tanznummern sowie eine Kamera, die sich manchmal wie im Flug über das Geschehen erhebt, unterstreichen den hemdsärmeligen, dynamischen Charakter des Streifens.

    Vieles wirkt klischeehaft

    "Bootmen" lebt von Perrys Fähigkeiten als Choreograf und von der Kraft der Tänzer. Psychologische Feinheiten bei den Personen oder etwa Sozialkritik sucht man vergebens. Mit Aussagen wie "du kannst es, wenn du nur willst" sendet der Film aber auch elementare Botschaften an ein Publikum, das gerade erwachsen wird. Leider trägt Perry auch hier ziemlich dick auf, vieles wirkt klischeehaft. Reichlich naive Dialoge ("Mutter wäre stolz auf dich gewesen, ich bin stolz auf dich") und ein Humor, der gern unter die Gürtellinie zielt, entsprechen ebenfalls nicht dem Rang der hinreißenden Tanzszenen.

    Ulrike Cordes, dpa

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