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  • Kritik: Stephen King kann auch sanft sein

    Alles Unheil dieser Welt liegt in diesem Blick ins Leere

    Damals, im Sommer 1960, war er elf Jahre alt und lebte zusammen mit seiner Mutter Liz in einem Holzhaus. Der Vater ist bereits gestorben, die alleinverdienende Liz und ihr Sohn müssen jeden Cent zwei Mal umdrehen. Da ist ein neuer Untermieter sehr willkommen. Der heißt Ted Brautigan, ein Mann Ende Fünfzig mit undurchsichtiger Vergangenheit. Für den kleinen Bobby, der so gerne ein Fahrrad hätte, das sich aber die Mutter nicht leisten kann oder will, wird dieser Mann zu einer magischen Figur.

    Brautigan sorgt nicht nur dafür, dass sich der Junge ein paar Dollar mit Zeitungvorlesen für den sehschwachen Untermieter verdienen kann. Bobby soll auch Ausschau halten nach Leuten, die Brautigan - aus welchen Gründen auch immer - aufspüren wollen.

    Vor allem aber ist der alternde müde Mann mit dem manchmal so unergründlich in die Ferne schweifenden Blick derjenige, der dem Jungen den verlorenen Vater nahe bringt. Denn Brautigan zeigt diesen in einem ganz anderen Licht als die verbitterte Mutter, die mit Männern ohnehin nur üble Erfahrungen macht. Wenn der Untermieter am Ende des Films unter ebenso geheimnisvollen Umständen wieder aus Bobbys Leben verschwindet wie er in dieses gekommen war, verlässt der Knabe die Kindheit und begibt sich auf den Weg zu dem Mann, den wir am Beginn wie nach dem Schluss der Rückblende sehen.

    Die Handlung des amerikanischen Films `Hearts in Atlantis", der am 14. Februar in den Kinos anläuft, klingt nicht aufregend, und sie ist es auch nicht. Das ist umso verwunderlicher, als Regisseur Scott Hicks und Drehbuch-Altmeister William Goldman eine Geschichte des Horrorspezialisten Stephen King in Szene gesetzt haben. Aber der Auflagenmillionär, der in jüngster Zeit über Schreibmüdigkeit klagt, kann auch in leiseren Tönen Geschichten erzählen. Drehbuchautor Goldman hat für den Film eine von vier Novellen und die Kurzgeschichte aus Kings Erzählband `Hearts in Atlantis" zu einer Handlung verschmolzen.

    Der zweifache Oscar-Preisträger Goldman sagt über seine neue Arbeit: `Ich schätze King vor allem, wenn er keine exotischen Monster, sondern menschliche Monster in den Mittelpunkt stellt". Womit er offenbar die Figur des Ted Brautigan meint. Doch hat die Leinwand schon ein sanfteres, freundlicheres Monster gesehen als dieses, das von Anthony Hopkins unnachahmlich ganz zurückhaltend, doch mit latenter Gefährlichkeit verkörpert wird? Und ist dieser geheimnisvolle Mann überhaupt auch nur annähernd ein `Monster"?

    Wenig, eigentlich gar nichts spräche dafür, könnte Hopkins nicht immer wieder diesen offenbar alles Unheil dieser Welt erschauenden Blick ins Leere aufsetzen. Dafür ist er berühmt, mit dieser Gabe bringt er das Unheimliche in die Handlung. Der elfjährige Anton Yelchin spielt anrührend den erwachenden Knaben Bobby. Yelchin wurde noch in der russischen Heimat seiner in die USA ausgewanderten Eltern geboren und ist nun bereits in seinem siebten Film zu sehen. Hope Davis als seine Filmmutter beeindruckt ebenfalls mit glaubhafter Frustration in diesem von dem Australier Scott Hicks sensibel und sehenswert inszenierten Film.

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