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  • Kritik: Stefan Krohmers vielschichtige Verhaltensstudie

    Sommer in Norddeutschland: Besorgt stürzt die attraktive Urlauberin Miriam (Martina Gedeck) nach Anbruch der Dunkelheit in das Haus eines Fremden, um dort die 12-jährige Livia (Svea Lohde), die Freundin ihres halbwüchsigen Sohnes Nils (Lukas Kotaranin), zu suchen. Während sie hektisch das Obergeschoss durchstöbert, nippt der gut aussehende Amerikaner Bill (Robert Seeliger) gelassen an seinem Rotwein. Freimütig lädt er sie ein, den Abend mit ihm zu verbringen.

    In dem präzise beobachteten Familiendrama «Sommer '04» zeigt der deutsche Regisseur Stefan Krohmer («Sie haben Knut»), wie sich in der beschwingten Urlaubsatmosphäre ein emotionales Dilemma anbahnt, das alle Beteiligten an die Grenzen von Moral, Schuld und Liebe stoßen lässt. Mit dieser vielschichtigen Verhaltensstudie wurde Krohmer in diesem Jahr zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes eingeladen, wo «Sommer '04» in der Reihe «Quinzaine des Réalisateurs» seine Weltpremiere feierte.

    Das ausgeklügelte Drehbuch stammt von dem Hamburger Autor Daniel Nocke, mit dem Krohmer bereits gemeinsam an der Filmakademie Ludwigsburg studiert hat. Auf das Konto des Erfolgsduos gehen der preisgekrönte Kinofilm «Sie haben Knut», sowie Fernsehproduktionen wie «Ende der Saison» und «Familienkreise», die ihnen jeweils einen goldenen Adolf-Grimme-Preis einbrachten. «Mein Ansatz war», so Nocke, «mir eine Geschichte auszudenken, die ich selbst gerne auf der Leinwand sehen möchte». In Cannes wurde «Sommer '04» bereits als «deutsche Nouvelle-Vague-Entdeckung» gehandelt.

    Als das frühreife Früchtchen Livia eine Affäre mit dem gut aussehenden Segler Bill provoziert, gerät die 40-jährige Mutter und Ehefrau Miriam in einen tiefen, emotionalen Zielkonflikt, da sie sich zwischen der Verantwortung für das Mädchen und ihrer eigenen Eifersucht hin- und her gerissen fühlt.

    «Wir haben versucht, das dramatische Potenzial dieser Geschichte nicht auf die spektakulären Aspekte zu legen, sondern für Situationen zu nutzen, die uns wirklich interessieren», sagt Krohmer, der mit genauem Blick die immer widersprüchlicher werdenden Verhaltensweisen seiner Protagonisten verfolgt. Nachdem auch Miriam ein leidenschaftliches Liebesverhältnis mit dem braun gebrannten Sportler Bill angefangen hat, versucht sie, ihre junge Rivalin bei einem ausgiebigen Segeltörn zur Rede zu stellen.

    «Vor Beginn der Dreharbeiten mussten die Schauspieler einen Segelkurs absolvieren», erklärt der Regisseur. «Ich habe zunächst klein auf einer Jolle auf dem Wannsee angefangen», berichtet Gedeck, die sich später am Drehort mit einer größeren Yacht auf eine rasante Segeltour begab. «Die Szenen im Sturm waren nicht ganz ungefährlich», verrät die Schauspielerin. «Bei Windstärke fünf bis sechs war es vor allem für den Kameramann schwierig, die Balance zu halten, denn die 250 000 Euro teure Kamera durfte unter keinen Umständen ins Wasser fallen.» Nachdem die Hauptdarstellerin das Schiff bei dieser Segelpartie sicher über die stürmische See manövriert hatte, fiel sie beim Anlegen ins Wasser. «Ich bin auf der Reling ausgerutscht und unter das Boot geraten, aber mir ist nichts passiert.»

    Die Dreharbeiten zu diesem packenden Liebes- und Familiendrama erfolgten im Sommer 2005 an Originalschauplätzen in Schleswig-Holstein. «Ich habe eine Woche lang Szene für Szene mit den jeweiligen Schauspielern durchgearbeitet», sagt der Regisseur. Zugleich ermöglichte diese Arbeitsweise den Darstellern, die im Film eine Familie verkörpern, sich bereits im Vorfeld besser kennen zu lernen.

    In «Sommer '04» katapultiert Krohmer seine Protagonisten auf eine emotional aufwühlende Reise mit überraschenden Wendungen. Leicht und lakonisch nähert er sich unbefangen seinen Figuren, um im Laufe der Geschichte immer tiefer in ihr Seelenleben vorzudringen. Dieses dicht inszenierte Psychogramm besticht durch seine vielschichtige Geschichte, ein hervorragendes Schauspiel-Ensemble und großartige Kino-Momente voll knisternder Spannung.

    Birgit Heidsiek, dpa

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