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  • Kritik: "Starship troopers":

    München (dpa) - Insekten bedrohen die Existenz der Menschheit. Aus fernen Galaxien bombardieren sie den Planeten Erde, sprengen Buenos Aires und Venedig weg. Schwadronen von Mega-Raumschiffen werden ausgeschickt, der tödlichen Bedrohung Herr zu werden. Mit dem ebenso fulminanten wie knallharten Science-Fiction-Spektakel "Starship troopers" meldet sich Star-Regisseur Paul Verhoeven ("Basic Instinct") in den Kinos zurück: gigantisch, galaktisch, grausam.

    100 Millionen Dollar hat der Film gekostet. Entstanden ist eine Hochgeschwindigkeits-Synthese aus Monumentalschinken, Weltraum-Epos und Horrorstreifen. Verhoeven hat schon bei Filmen wie "Total Recall" oder "Robocop" mit dem Vorwurf der Gewaltverherrlichung zu kämpfen gehabt. "Starship troopers" hält da locker mit. Die Toten der Schlachten zwischen Insekt und Mensch werden sechsstellig gezählt, die Massaker sind von perfider Gründlichkeit.

    "Das ist kein grausamer Film", sagt Verhoven, "sicher gibt es manche solcher Momente - aber eigentlich ist das doch ein Comic." In der Tat hat sein Epos starke Fantasy-Elemente, gemixt mit ein wenig Heldensaga, Piratenfilm und herkulischen Abenteuern - weniger grausam wird er dadurch nicht. "Auch Grimms Märchen sind grausam", sagt der Regisseur und lächelt smart.

    Verhoeven (60) versteht seinen Film (nach dem gleichnamigen Buch von Robert Heinlein aus dem Jahr 1959) als bösartige Groteske auf eine Gesellschaft des 23. Jahrhunderts. Auf dem Planeten Erde gibt es nur noch zwei Sorten von Menschen - Soldaten und Zivilisten. Alles wird von einer Zentralregierung gesteuert, die größten Wert auf eine Überdosis an fast faschistisch anmutender Gemeinschaft legt.

    Verhoeven versteht "Starship troopers" auch als profunde Kritik an totalitären Systemen. Alles ist monströs überzeichnet: Die kleinsten Insekten sind so groß wie Bagger, alle zwischenmenschlichen Beziehungen sind entweder verlogen, zynisch oder verhärtet. Verhoeven zerhackt Klischees des amerikanischen Vietnam-Traumas, zitiert hemmungslos andere Genre-Filme, ironisiert die vielfach verfilmte Männerromantik militärischer Ausbildungslager und spielt mit dem US- Militärfilm-Stolz auf wackere Soldaten.

    Der Angriff der Insekten ist eigentlich nur eine Vergeltung der Tiere für den Bau einer menschlichen Kolonie in ihrem Territorium. Die Regierung der Erde dreht das propagandistisch um und schickt ihre Armada los. Mit von der Partie: Soldat Johnny Rico (Casper van Dien), der klassische all-american-boy mit runden Muskeln, sattem Patriotismus und viel gutem Willen. Erst getrennt, dann wieder an der Seite seiner Freundin Carmen Ibanez (Denise Richards) kümmert er sich mit ein paar Millionen Soldaten um die Rettung der Welt.

    Die Hälfte des Etats von "Starship troopers" haben die Spezialeffekte verschlungen. Verhoeven konnte Phil Tippett gewinnen, 1993 "Oscar"-Gewinner für die Effekte von "Jurassic Park". Tippett und das "Robocop"-Team erdachten Flotten von Raumschiffen, die majestätisch durchs All gleiten. Verhoeven gerät ins Schwärmen: "Sie sind wunderschön - so phantastisch wie die 'Titanic."

    Über vier Jahre dauerte die Vorbereitung auf das intergalaktische Epos. Daß fast alle Hauptdarsteller allenfalls aus US-Soap-Operas bekannt sind, kümmert den Holländer nicht: "So ein Ensemble ist doch ein Gesamtkunstwerk - und meines stimmt." Seine Pilotinnen und Kämpfer hat er mit schmucken Uniformen und reichlich Optimismus ausgestattet, vor dem Untergang rettet sie das aber nicht - für Verhoeven eine bittere Darstellung der persönlichen Konsequenzen aus dem Expansionsdrang totalitärer Systeme.

    Nach dem Flop mit "Showgirls" hatte der neue Verhoeven in den USA großen Erfolg, die deutsche Werbemaschinerie läuft auf vollen Touren. "So ein Streifen ist bestimmt nicht der sicherste Weg, Geld zu machen", sagt Verhoeven. Wenn allerdings "Titanic" als teuerster aller Filme Erfolg habe und sich auch die 100 Millionen Dollar für "Starship troopers" lohnen, glaubt Verhoeven an eine goldene Zukunft: "Das wird dem großen Film den Weg freimachen."

    Von Martin Bialecki, dpa

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