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  • Kritik: Starkes Porträt dreier georgischer Frauen

    Großmutter Eka wohnt zusammen mit ihrer Tochter Marina und der Enkelin Ada unter einem Dach in einer pittoresken, schon etwas heruntergekommenen Altbauwohnung in Tiflis. Man spürt es, ganz früher gehörte die Familie zum intellektuellen Großbürgertum, noch heute sprechen alle drei fließend französisch, lesen Proust im Original.

    Das Leben im heutigen Georgien ist hart und mühselig, der improvisierte Alltag zwischen Stromausfall und Trödelmarkt bleibt öde und trist, aber die Sehnsucht nach etwas Besserem haben sich die Frauen noch nicht austreiben lassen. Ekas über alles geliebter Sohn Otar lebt schon «eine Ewigkeit» in Paris, der gelobten Stadt.

    In ihrem ersten, mehrfach preisgekrönten Spielfilm «Seit Otar fort ist...» zeichnet die 1968 geborene französische Dokumentarfilmerin Julie Bertuccelli sehr glaubwürdig und warmherzig das Porträt dreier Frauen, die zugleich für drei Generationen stehen - und jede hegt andere Hoffnungen und Illusionen.

    Großmutter Eka wartet täglich auf Briefe und Anrufe ihres Sohnes Otar. Damit geht sie ihrer Tochter Marina gehörig auf die Nerven. Deren Tochter Ada studiert vor sich hin, tändelt ein wenig mit Jungs herum. Eines Tages erfahren Marina und Ada, dass Otar tödlich verunglückt ist. Keine von beiden bringt es übers Herz, Eka die Wahrheit zu sagen. Und so setzt sich Ada hin und schreibt Otars Briefe nun selbst.

    Als die wunderbar hartnäckige, frankophile Eka alle antiquarischen Bücher aus ihrem Haushalt verkauft und dafür drei Flugtickets nach Paris bekommt, scheint das Lügengebäude einzustürzen. Aber die Reise in die Hauptstadt der Träume nimmt dann doch wieder eine ganz überraschende Wendung.

    Regisseurin Julie Bertuccelli lässt ihren Hauptdarstellerinnen viel Raum zur spontanen Interaktion, ihr Film wirkt daher sehr authentisch, so gar nicht gespielt, eher dem ganz normalen Leben abgeschaut.

    Vor allem die 90-jährige georgische Theaterschauspielerin Esther Gorintin in der Rolle der liebevoll-starrsinnigen Großmutter gibt eine bewundernswerte, anrührende Eka ab. Am Ende sitzt sie in einer Szene allein auf einer Parkbank in Paris. Es beginnt zu regnen, mühsam aber zielstrebig steht die Greisin auf und trippelt davon.

    dpa

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