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  • Kritik: Stahlbergs brisante PolitSatire

    Vorwurfsvoll verliest die überzeugte Polit-Aktivistin (Lucia Chiarla) eine ganze Reihe von Anklagepunkten, die sie ihrem Entführungsopfer (Maurizio Antonini) vorhält. Auf das Konto des korrupten Politikers gehen Bilanzfälschung, Steuerhinterziehung, Bestechung sowie Nähe zur Mafia. Per Internet lässt sie in einem Publikums-Prozess darüber abstimmen, in welchen Fragen der Angeklagte für schuldig befunden wird.

    In seiner brisanten Polit-Satire «Bye Bye Berlusconi!» zeigt der deutsche Autor, Regisseur und Schauspieler Jan Henrik Stahlberg («Muxmäuschenstill») ein junges, engagiertes Team in Genua, das einen Film über die Entführung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dreht. Um sich vor juristischen Angriffen zu schützen, setzen die Filmemacher kurzerhand auf eine Satire und verlegen die Geschichte von Italien nach Entenhausen.

    Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Filmprojekt entwickelte Stahlberg gemeinsam mit seiner Ehefrau Chiarla. «Wir haben uns gefragt, warum es eigentlich keinen Spielfilm über einen amtierenden Politiker gibt, der uns mit seinen Gesetzesänderungen beschäftigt», sagt der Regisseur. «Wir wollten den Film nicht nur in die Satire gleiten lassen, sondern das war auch eine juristische Notwendigkeit.» Da der italienische Ministerpräsident namentlich nicht genannt werden durfte, tauften sie ihn in ihrem Film-im-Filmprojekt «Micky Laus» und bezeichneten ihn als Melonen-Produzenten. Die passende Besetzung für diese Figur fanden sie im Internet mit dem römischen Schuhverkäufer Antonini, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit Berlusconi besitzt.

    Als Produzent für «Bye Bye Berlusconi!» zeichnet Martin Lehwald mit seiner Berliner Firma Schiwago Film verantwortlich, auf deren Konto bereits die freche Kino-Satire «Muxmäuschenstill» ging. Aufgenommen wurde der Film mit einem kleinen Team im Guerilla-Stil. «Wir besaßen fast nie Drehgenehmigungen, weil wir keinerlei Aufmerksamkeit erregen wollten», verrät Stahlberg. Zur Sicherheit hatte das Team immer ein zweites Drehbuch mit einer anderen Geschichte parat und erstellte nach jedem Drehtag Sicherheitskopien von dem aufgenommenen Material. «Es war ein mulmiges Gefühl, als unser Second-Unit-Team einmal von der Polizei festgehalten wurde, obwohl sich gar keine Bilder von dem Berlusconi-Doppelgänger in der Kamera befanden.»

    In Italien wird «Bye Bye Berlusconi!» jetzt unmittelbar vor den Parlamentswahlen ins Kino gebracht. «In dieser Zeit wird der Film Berlusconi am meisten schaden», glaubt Chiarla. Die große Popularität des Politikers in Italien resultiert nach Meinung von Stahlberg nicht zuletzt daraus, dass er durch sein gigantisches Medienimperium das Fernsehen beherrsche. «Dadurch besitzt er die Macht der Wiederholung und kann unzählige Male am Tag seine Meinung zu einem Thema äußern und somit das öffentliche Meinungsbild erheblich beeinflussen.»

    In «Bye Bye Berlusconi!» spielt Stahlberg gezielt darauf an, indem er mit groteskem Humor die sich ständig wiederholenden Werbe- Spots des Melonen-Produzenten persifliert. Durch die immer enger werdende Verzahnung der Rahmenhandlung und der Film-im-Film-Geschichte schafft es der Regisseur in dieser bunten, bitterbösen Farce, die Grenzen zwischen Realität, Dokumentation und Fiktion zunehmend verschwimmen zu lassen. Dieses provokative Polit-Potpourri amüsiert vor allem durch seinen schrägen Underground-Charme, der von spontanem Aktionismus, Aufbruchstimmung und absoluter Absurdität geprägt ist.

    dpa

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