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  • Kritik: Sport beendete eine Drogenkarriere

    Vom Junkie zum Ironman: Die wahre Geschichte des Triathleten Andreas Niedrig, der vor seiner Weltkarriere als Sportler heroinsüchtig war, kommt nun in einer beklemmenden Verfilmung in die Kinos. "Lauf um dein Leben" ist das Regiedebüt von Adnan G. Köse.

    An der Binse, dass die besten Geschichten eben doch vom Leben selbst geschrieben werden, ist etwas dran. Nun kommt ein erneuter Beweis dafür in die Kinos: Adnan G. Köses Regiedebüt "Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman" basiert auf dem Leben des Weltklasse-Triathleten Andreas Niedrig. Wenn der, dargestellt von Max Riemelt, im Film vor einem mörderischen Wettkampf sagt: "Ich muss lebensmüde sein, aber was heißt das für einen, der schon mal tot war?", dann hat das eine beklemmende Wahrhaftigkeit.

    Denn Niedrig, der vordere Plätze bei diversen wichtigen Triathlon-Wettkämpfen in Deutschland belegte und 2001 auf Hawaii unter die ersten Zehn kam, hat sich mit dem Sport das Leben gerettet: Er war drogensüchtig, opferte dem Heroinrausch beinahe sein Dasein, seine Familie, sein Kind. Im vermutlich letzten Augenblick, nachdem er einen Freund an die Droge verloren hatte, erlitt er einen Zusammenbruch, der ihn aufwachen ließ. In der Folge wurde der sportliche Ehrgeiz geweckt - eine Stehaufmännchen-Geschichte der verschärften Sorte.

    Andreas Niedrig hat sein Leben gemeinsam mit dem Koblenzer Buchautor Jörg Schmitt-Kilian selbst aufgeschrieben (2007 neu erschienen bei Heyne) - Schmitt-Kilian ist als Kriminalkommissar seit Jahren in der Präventionsarbeit tätig. So wollen die beiden nun auch die Aufmerksamkeit rund um den Film für ein neues Präventionsprojekt unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Sabine Bätzing, nutzen.

    Doch der Film ist kein nüchterner Schulfilm, der irgendwelche Zeigefinder hebt. Er ist ein beeindruckendes, bildmächtiges, dramaturgisch geschickt aufgezogenes Stück Kino. Auf temporeiche Sportszenen folgt der Rückgriff auf die 80er-Jahre im Ruhrgebiet, Andreas" Jugendjahre. Mit seiner Jungs-Gang zieht er kiffend umher, alles ist fröhlich, gut gelaunt. Das erinnert so, wie Köse es gedreht hat, an zotige Teenager-Komödien, zumal sowohl Hauptdarsteller Riemelt als auch der adipöse und diesmal kahlrasierte Axel Stein eine Vergangenheit in diesem filmischen Milieu haben. Hier ist es aber Mittel zum Zweck - launig wird erzählt, wie gut gelaunt man Drogen konsumieren kann. Andreas scheint sogar den Absprung aus dem kleinkriminellen Umfeld geschafft zu haben, als er Vater wird und Sabine heiratet (Jasmin Schwiers).

    Die Bilder, die Farben, die Anmutung ändern sich, als aus dem vermeintlichen Spiel bitterster Ernst wird, als Heroin ins Leben der vier Kumpel tritt. ",H" ist mehr als eine Droge - es ist Liebe auf den ersten Blick" - eine trügerische Liebe. Nach und nach zerschellt alles, was sich Andreas aufgebaut hat, an der Fixerei. Als schließlich Kumpel Motte (Robert Gwisdek) an einer Überdosis stirbt und Andreas von seiner Frau aus der Wohnung geschmissen wird, will er aufgeben: Er spritzt sich erneut Heroin in die Adern und versucht, sich per Autounfall selbst zu töten. Er überlebt. Und versucht eine Therapie.

    Doch therapierbar im eigentlichen Sinne ist er nicht, nach dem Versuch entscheidet er sich für den Sport, wendet sich an seinen alten Coach Oscar (Uwe Ochsenknecht) und trainiert hart für seine Triathlon-Premiere. Er tauscht Sucht gegen Sucht, Sport gegen Drogen. Und wird dennoch so etwas wie gesund.

    Regisseur Köse, der auch das Drehbuch verfasste, gelingen Momente von großer Dramatik wie unbeschwerter Komik - schlussendlich ist sein Film jedoch so beklemmend geworden, wie es das Sujet verdient. Daran ändert auch das versöhnliche weil sportlich erfolgreiche Ende des Films nicht. Und: Köse inszeniert ein sehenswertes Ensemble, in dem weniger der bekannte Ochsenknecht als der junge Riemelt hervorsticht und auch Axel Stein einen überzeugenden Schritt weg vom Klamauk in Richtung Charakterfach tut.

    Tim Kosmetschke, RheinZeitung

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