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  • Kritik: Spike Lees Mediensatire - scharfzüngig und spannend

    Spike Lee (43), Autor und Regisseur der Mediensatire "It's Showtime!", ist kein Freund des Fernsehens. Seinen Unmut über "die zunehmende Verflachung" in den Medien hat Lee in seinem jüngsten Streifen produktiv umgesetzt.

    Mit unerbittlichem, grellem Witz demontiert der Afro-Amerikaner, der mit politisch engagierten Filmen wie "Malcolm X" weltberühmt wurde, den Slogan "Black is beautiful". Über Jahre beutete den Slogan vor allem die Unterhaltungsbranche Gewinn bringend aus.

    Beispiel gebend knöpft sich Lee das Fernsehen vor. Im Mittelpunkt steht die Geschichte von Aufstieg und Fall des TV-Schreibers Pierre Delacroix, den Damon Wayans mit neurotisch anmutender Intensität spielt. Von seinem weißen Boss (Michael Rapaport) wird der Schwarze vor die Alternative gestellt, entweder im Handumdrehen einen Erfolg auf die Beine zu stellen oder zu gehen.

    Pierre greift tief in die Mottenkiste des Show Business und stampft mit Steptänzer Manray (Savion Glover) und dessen Kumpel Womack (Tommy Davidson) eine so genannte Minstrel-Show aus dem Boden. Das Prinzip der Show: Farbige mit geschwärzten Gesichtern präsentieren Nigger-Klischees. Das Ganze wird ein Hit, die Folgen aber sind mörderisch...

    Lee: Prozess des Zueinanderfindens von Weißen und Farbigen fördern

    Er wolle mit seinem Film den Prozess des Zueinanderfindens von Weißen und Farbigen fördern, sagt Lee im Gespräch. "Doch ich bin kein Lehrer, der gute Ratschläge erteilt." Den kühlen, von gnadenlosem Humor getragenen Erzählton von "It's Showtime!" begründete er so: "Gefühle im Kino sind etwas Wunderbares. Wo sie hingehören. Doch ich erzähle eine harte Geschichte. Sie verträgt keine Sentimentalität." Lachend ergänzte der zweifache Familienvater jedoch: "Meine Frau schimpft allerdings auch oft mit mir, warum ich nicht endlich mal was Romantisches drehe."

    Spike Lee hat die heftig moralisierende Story dank exzellenter Akteure, cleverer Dramaturgie und rasanter Montagetechnik in ein mitreißendes Drama verwandelt. Und am Ende belegt er dokumentarisch, wie Fernsehen und Film in den USA über Jahrzehnte das Bild des dummen Negers gezeichnet haben. Shirley Temple etwa posiert als "black beauty", ebenso wie Judy Garland und selbst Zeichentrickfiguren. Für ein aufgeklärtes Publikum dürfte dieser Schluss zu moralisierend geraten sein. Denn selbst der naivste Zuschauer hat bis dahin längst kapiert, worum es geht.

    Lee jedoch glaubt mit Blick auf seine Heimat nicht an fortschreitende Aufklärung. Die Lage in den USA unter Präsident George Bush kommentierte er skeptisch: "Es gibt ungute Entwicklungen. Beispielsweise wurden Aids-Beratungsstellen geschlossen. Generell fließt das Geld für soziale Einrichtungen spärlicher", sagte Lee. "Ich habe nun nicht gleich eine gesteigerte Angst vor der Zukunft. Aber ich denke, Wachsamkeit ist notwendig." Er erwarte, dass in nächster Zeit einige Filme entstehen, "die sich kritisch und polemisch mit der gegenwärtigen Realität in den USA auseinander setzen". Mit Sicherheit wird Spike Lee weiterhin zu den Protagonisten eines solchen engagierten Hollywood-Kinos gehören.

    Peter Claus, dpa

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