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  • Kritik: Spike Lees "Girl 6": Aids und Hightech...und schöne Frauen

    New York (dpa) - Spike Lee, wichtigster afro-amerikanischer Filmemacher in Hollywood, hat vor zehn Jahren mit seinem Debüt "She's Gotta Have It" Wesentliches vom damaligen erotischen Lebensgefühl eingefangen: Er zeigte eine souveräne Frau (Tracy Camilla Johns), die sich mit gleich drei Liebhabern vergnügte. Jetzt hat Lee in New York seine neue Komödie "Girl 6" vorgestellt (Bundesstart 16. Mai) - das Thema ist steriler Telefonsex.

    "Aids hat zur Explosion dieses Geschäftszweigs geführt", sagt der Vorreiter des "Black Cinema", der mit der weiß-schwarzen Beziehungsstory "Jungle Fever" (1991) und zuletzt dem Bürgerrechtler-Drama "Malcolm X" (1992) Erfolge feierte. "Auf menschliche Kommunikation wird zunehmend verzichtet, wenn es um Sex geht. Die Glasfaser-Kabeltechnologie ermöglicht, unverbindliche und ungefährliche Sexualkontakte zu haben, wann immer man sie braucht."

    "Girl 6" (Theresa Randle) sitzt im Film in der sechsten von zahlreichen Kabinen eines New Yorker Telefonsex-Unternehmens. Dort landen die Anrufe der Männer, die Sex auf Distanz suchen und dabei nicht auf eine Frauenstimme verzichten wollen. Spike Lee erzählt von einer jungen Schauspielerin, die wegen fehlender Engagements den Job als "Girl 6" annimmt. Bei den Gesprächen mit den anonymen Sexhungrigen geraten ihr Realität und Fantasie aber immer mehr durcheinander.

    Ihr Wohnungsnachbar, gespielt von Lee selbst, hilft ihr schließlich durch das Labyrinth ihrer immer verwirrenderen Träume. "Der Film hat kein Happy-End", sagt der Regisseur, "aber die Heldin ist am Schluß weit stärker als am Anfang, und sie geht als Schauspielerin nach Los Angeles, die auf ihre Fähigkeiten vertraut."

    Das Drehbuch hat Suzan-Lori Parks geschrieben. Sie ist als Autorin mehrerer Theaterstücke hervorgetreten und lehrt als Professorin an der Drama School der Elite-Universität Yale. Vor dem Filmprojekt hat sie zum Stoffsammeln als Sexpartnerin am Telefon gearbeitet. Den Job beurteilt sie ebenso nüchtern wie rücksichtslos: "Das ist leichter und einträglicher als eine Arbeit als Kellnerin, und man kann dabei sitzen oder sogar liegen."

    Das vulgäre Vokabular bei solchen Gesprächen ist ihr vertraut geworden. Hauptdarstellerin Theresa Randle dagegen wollte die Rolle ablehnen, als sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen hatte. Regisseur Lee überredete sie vor allem mit dem Hinweis auf die notwendigen Textänderungen im Lauf der Dreharbeiten: Ohne beschönigende Umschreibungen wäre der Film mit einer Zensur-Bewertung belegt worden, so daß er kaum noch Chancen auf ein breites Publikum gehabt hätte.

    Von Helmut Räther, dpa

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