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  • Kritik: Spike Lees bester Film seit langem

    Ein Mann, Mitte 30, streift mit seinem Hund früh morgens durch New York. Er hat noch einen Tag vor sich. Den letzten Tag, die letzte Nacht, bevor er wegen Drogenhandels für sieben Jahre ins Gefängnis verschwindet. Der amerikanische Filmemacher Spike Lee verfolgt den Dealer Monty auf dessen Abschied von der Freiheit.

    "25 Stunden" ist Spike Lees bester Film seit langem: Ein melancholisches und emotional packendes Werk, in dem sich die Brüche und Ängste der Figuren auch im "Ground Zero" spiegeln, der großen Wunde mitten in Manhattan nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001.

    Obwohl Monty sein Geld mit der Sucht anderer verdient, ist er kein Dreckskerl. Es gelingt Edward Norton, dem wandlungsfähigsten US- Schauspieler seiner Generation, diesen Mann durchsichtig zu machen. Monty hat sich irgendwann für seinen kriminellen Job entschieden, um eine teure Wohnung bezahlen zu können, seine schöne Freundin zu beschenken und seinem Vater, einem ehemaligen Feuerwehrmann, mit seiner Kneipe unter die Arme zu greifen. Doch irgendjemand hat ihn an die Polizei verraten - vielleicht sogar seine Liebste? Und nun fügt er sich in die Konsequenzen. Monty bereitet sich auf das Leiden und die Gewalt im Gefängnis wie auf eine große Buße vor. Für ihn gibt es kein Zurück.

    Ungewöhnlich für Spike Lee: Keine afroamerikanische Hauptfigur

    "Der Film hat keine moralische Botschaft. Ich will nicht bewerten, weder die Charaktere in meinem Film, noch den 11. September, der alles verändert hat", erklärte Spike Lee im dpa-Gespräch während der Berlinale, wo "25 Stunden" im Wettbewerb lief. "Es geht vor allem um die Entscheidungen, die Menschen für sich persönlich treffen - und darum, die Verantwortung dafür zu übernehmen."

    In diesem Sinne ist "25 Stunden" nach dem gleichnamigen Roman von David Benioff ein reifer, dramatischer Film, der aber gerade für ein junges Publikum attraktiv ist. Spike Lee, bekannt geworden mit explosiven Filmen wie "Do The Right Thing" oder "Malcolm X", wehrt sich seit langem gegen das Etikett des "schwarzen Filmemachers mit den Rassismusthemen". Dass sein jüngstes, realistisch gefilmtes Werk keine einzige afroamerikanische Hauptfigur hat, möchte der 46- Jährige am liebsten gar nicht kommentieren. "Es geht um die Story, und die ist stark. Es geht nicht um Schwarz oder Weiß."

    Angst haben sie alle

    Und er verzichtet auch im übertragenen Sinne auf jede Schwarzweiß- Malerei: Monty trifft sich zur Abschiedsparty mit Freunden in einem angesagten Techno-Club, spielt noch einmal die Rolle des coolen Dealers in der Polsternische, Champagner auf dem Tisch. Doch ihm und seinen Freunden, einem arroganten Börsenmakler (Barry Pepper) und einem verklemmten Lehrer (Philip Seymour Hoffman), ist mehr zum Heulen als zum Feiern zumute. Jeder dieser Männer hat viele Facetten, die in der Extremsituation ihrer Freundschaft deutlich werden. Angst haben sie alle: Vor dem Abschied, ihren Gefühlen, vor Einsamkeit, vor dem Verlust von Liebe oder Geld - und vor den Drogenbossen, die im Hinterzimmer auf die letzte große Abrechnung warten.

    In der "25. Stunde" wird Monty von seinem Vater mit dem Auto zum Gefängnis gebracht. Jetzt ist der Moment des Gegenentwurfs gekommen. In einer bewegenden Fantasie skizziert der Vater ein Bild von dem, was passieren könnte, wären die Entscheidungen vorher anders gefallen. Aber es kann nie mehr so sein.

    Karin Zintz, dpa

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