40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Spike Lee blickt auf die Milliardenindustrie Basketball
  • Kritik: Spike Lee blickt auf die Milliardenindustrie Basketball

    Der rote Ball schwebt in den Korb, zielsicher geworfen. Er bleibt im Netz hängen, fällt langsam herunter, und sofort greifen acht Hände nach ihm. Der Ball fliegt weiter, von Hand zu Hand. Die Plätze sind leicht heruntergekommen, im Hintergrund rattert eine U-Bahn vorbei. Die ersten Bilder eines Films, der vor allem eine Hommage an den Basketball ist: "Spiel des Lebens" von Spike Lee.

    Das Hinterhof-Spiel schwarzer Jugendlicher in den Vororten New Yorks ist darin ebenso Thema wie der hochbezahlte Sport der National Basketball League (NBA) der USA. Im Mittelpunkt steht Jesus (Ray Allen), das größte Nachwuchstalent im Land. Alle reißen sich um ihn: Universitäten bieten Stipendien, Sportagenten teure Wagen, und mancher macht sogar ein illegales Angebot, damit Jesus für ihn spielt.

    Dieser muß sich für ein Angebot entscheiden, und genau da taucht sein Vater auf. Jake (Denzel Washington) sitzt seit sechs Jahren im Knast, denn er hat unter Alkoholeinfluß seine Frau erschlagen. Nun hat er eine Woche Freigang und soll seinen Sohn dazu bringen, für das Lieblingsteam des Gouverneurs zu spielen. Gelingt ihm das, winkt ihm die vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis. Doch Jesus will seinen Vater nicht sehen, er lehnt ihn ab.

    Spike Lee, mit Filmen wie "Do the Right Thing" und "Malcolm X" Begründer des Neuen Schwarzen Kinos der achtziger Jahre, wollte die Mechanismen des Basketballbetriebs und den Vater-Sohn-Konflikt zu einem Handlungsstrang verbinden. "Mich interessiert in dieser Vater- Sohn-Beziehung vor allem das Thema Vergebung", sagt Lee. "Ich ging der Frage nach, an welchem Punkt man einem Menschen, der jemandem große Schmerzen zugefügt hat, vergeben kann - und sollte."

    Dennoch gelingt es dem Film trotz guter Leistungen der Schauspieler nicht, in dem Konflikt wirkliche Spannung zu erzeugen. Zu sehr konzentriert sich der Film auf den Basketball, um eine wirkliche Entwicklung in der Geschichte zuzulassen. Vieles wird angedeutet - die Reue des Vaters über seine Strenge bei der Erziehung, sein Frust, daß er es selbst nicht in die sportliche Spitze geschafft hat -, aber nicht schlüssig.

    Da ist Lees Blick auf den Basketball überzeugender - in den USA eine Milliardenindustrie, die den sozialen Aufstieg ermöglicht, aber in der das Geld oftmals wichtiger ist als der Sport. Dabei wollte der leidenschaftliche Basketballfan Lee größtmögliche Realität erzeugen. So drehte er nicht nur auf den Hinterhofplätzen von Coney Island, auf denen auch mancher Profi seinen ersten Ball dribbelte. Sondern er besetzte auch die Figur des Jesus mit einem echten Star der NBA. Der 22jährige Ray Allen, Verteidiger der Milwaukee Bucks, stand nie zuvor als Schauspieler vor der Kamera.

    Doch Allen kennt viele der Filmszenen aus seiner Erfahrung. "Ich habe am eigenen Leib erlebt, daß es Leute gibt, die glauben, sie haben ein Anrecht auf deinen Reichtum, nur weil du es geschafft hast", sagt er. Und da auch Jake-Darsteller Denzel Washington mit dem Ball umgehen kann, sind sogar die Spielszenen zwischen Vater und Sohn echt. Das wirkt dann so, wie es wirken soll, sagt Washington: "Ein Mann, der seine besten Tage gesehen hat, will es mit einem jungen Profi aufnehmen." Der Film schnellte in den Basketball-verrückten USA gleich nach dem Start auf Platz Eins der Kinocharts.

    Christiane Hellwege, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Fabian Strunk

    Tel.: 0261 / 892 324

    Kontakt per E-Mail

     

     

    Fragen zum Abo: 0261 / 98 36 2000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Montag

    -4°C - 2°C
    Dienstag

    1°C - 3°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Donnerstag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!