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  • Kritik: Spielbergs "Amistad":

    Hamburg - Steven Spielberg liebt den Wechsel. Nach jedem seiner beiden höchst lukrativen Saurier-Thriller aus dem "Jurassic Park" hat er sich großen historischen Themen zugewandt. In "Schindlers Liste" war es der Holocaust, in "Amistad" berichtet der Regisseur von der Sklaverei und dem Kampf einer Gruppe von Afrikanern um das höchste Grundrecht des Menschen, das Recht auf Freiheit. "Es ist eine Geschichte, die Menschen aller Nationen und Farben kennen sollten", beschreibt der Meister selbst seinen hohen Anspruch.

    Und vielleicht ist es genau dieser Wille, ein authentisches, historisch gültiges Werk in Hollywood-Format für ein Massenpublikum zu drehen, der "Amistad" zur ehrgeizigen Geschichtsstunde werden läßt. Der Unterricht zum Thema "Sklaverei im 19. Jahrhundert" ist spannend, keinesfalls dröge und prächtig inszeniert, verliert aber den pädagogischen Aspekt nie aus dem Auge. Und so kommt der Film - trotz phantastischer Darsteller und Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen - nicht an Spielbergs Holocaust-Drama heran. Zu viele Hindernisse bremsen in diesem Gerichtsfilm den Fluß der Ereignisse.

    "Amistad" bedeutet auf spanisch Freundschaft. Für die 53 Afrikaner, die 1839 aus ihrer Heimat geraubt worden sind und in den Laderäumen des spanischen Sklavenschiffs "La Amistad" auf eine unbekannte Küste zufahren, steht das Wort jedoch für Knechtschaft und Tod. Die Gefangenen befreien sich von ihren Fesseln und ermorden die Besatzung - bis auf zwei Seefahrer, die sie zurück nach Afrika bringen sollen. Doch die Spanier navigieren den Segler an die amerikanische Ostküste. Hier werden die Afrikaner mit ihrem Anführer Cinque (Djimoun Hounsou) wegen Mordes vor Gericht gestellt.

    Das ist die Ausgangslage für einen Fall, der bald die ganze Nation bewegen sollte. Zunächst muß geklärt werden, wem diese Menschen, die kein Wort der Verhandlung verstehen und wie Tiere behandelt werden, "gehören". Hatten sich anfangs nur ein zu etwas Wohlstand gekommener Ex-Sklave (Morgan Freeman) mit einem Freund und einem auf Eigentumsrecht spezialisierten Anwalt (Matthew McConaughey) für die Gruppe eingesetzt, wird nach einem unerwarteten Freispruch die Rechtsfrage zum Politikum. Der amtierende US-Präsident Martin Van Buren (Nigel Hawthorne) will in einem neuen Prozeß die rechtlichen Grundlagen der von ihm befürworteten Sklaverei bestätigen lassen.

    Hoffnung kommt erst auf, als sich der Ex-Präsident und Gegner der Sklaverei John Quincy Adams (Anthony Hopkins) einschaltet und die Afrikaner vor dem Obersten Gericht mit einer flammenden und pathetischen Rede für die Freiheit aller Menschen verteidigt.

    "Amistad" ist ein Film der Worte - nicht zuletzt spielt die schwierige Kommunikation zwischen den Amerikanern und den Afrikanern eine wichtige Rolle. Um so wichtiger sind da die Bilder, um aus dem historischen Präzendenzfall ein ergreifendes Kinoereignis zu machen. Spielberg läßt die Handlung in finsteren Gefängnissen, staubigen Gerichtssälen und ehrwürdigen Herrensitzen spielen. Nur in einer kurzen Rückblende werden die Leiden der versklavten Menschen lebendig. Kameramann Janusz Kaminsky, der schon für "Schindlers Liste" einen "Oscar" erhalten hat und nun wieder für den Preis nominiert ist, liefert dazu rundweg brillante Einstellungen. Doch ob diese Hollywood-Lektion in amerikanischer Geschichte auch das deutsche Publikum bewegen wird, ist fraglich.

    Karin Zintz, dpa

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