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    Kritik: Spielberg zeigt Krieg pur

    Das Grauen nimmt kein Ende. Dreißig lange Minuten konfrontiert Steven Spielberg die Zuschauer in der erschütternden Eingangssequenz seines neuen Films "Der Soldat James Ryan" mit Krieg pur. Aufgeschlitzte Bäuche, zerschossene Köpfe, umherfliegende Gliedmaßen, pausenloses Geschützfeuer, vor Schmerz und Angst brüllende Soldaten.

    Mit erbarmungsloser Härte zeigt der Oscar-Preisträger eine der ersten Schlachten nach der Landung der US-Alliierten in der Normandie 1944. Schließlich wird es totenstill. Das Blut der im Kampf gegen die Hitler-Truppen gefallenen Soldaten färbt das Meer an der französischen Küste rot.

    Seine Generation kenne den Krieg vor allem aus alten Schwarz-Weiß- Filmen, sagt der 42jährige Hauptdarsteller Tom Hanks. "Aber das waren Jungs wie du und ich." Hanks spielt Captain John Miller, der vor dem Krieg Lehrer war. Er und seine acht Soldaten erhalten mitten im schlimmsten Kampfgeschehen den Auftrag, den hinter der Frontlinie vermuteten Soldaten James Ryan zu finden und zu retten. Denn Ryans Mutter hat gerade erfahren, daß seine drei Brüder an anderen Kriegsschauplätzen gefallen sind. Wenigstens ein Sohn aus dieser "ganz normalen US-Familie" soll nach dem Willen der US-Militärs aber überleben.

    In den USA wurde Spielbergs neues Werk bereits als "bester Kriegsfilm unserer Zeit" gefeiert. Zu konventionell erzählt, zu viel Gewalt ohne inhaltlichen Bezug lautet dagegen der Vorwurf vieler europäischer Kritiker. Doch Spielberg will mit seiner extrem realistischen und brutalen Bildsprache nur die Tatsachen sprechen lassen. Er arbeite mit dem Vokabular des Krieges, genau so wie es ihm die US-Veteranen erzählt hätten, sagt der Regisseur. "Ich habe nichts hinzugefügt, aber auch nichts weggelassen."

    Schon fast vergessen geglaubte Erinnerungen rüttelte der Film bei vielen früheren US-Soldaten wieder wach. Einige von ihnen benötigten nach dem Kinobesuch sogar seelsorgerische Hilfe. "Wir hatten keine Ahnung, welche Wirkung der Film vor allem auf die Veteranen des Zweiten Weltkrieges haben könnte", sagt Spielberg. Aber mit "Der Soldat James Ryan" habe er endlich den Kriegsfilm verwirklichen können, nach dessen Stoff er jahrelang gesucht habe.

    Als die Militärs der Mutter von James Ryan die schreckliche Nachricht vom Tod ihrer drei Söhne überbringen, sieht der Zuschauer die Frau nur von hinten. Langsam geben die Beine unter ihr nach. Ihr Schmerz ist stumm. Er habe in diesem Moment bewußt das Gesicht der Mutter nicht gezeigt, sagt Spielberg. Ryans Mutter stehe für tausende anderer amerikanischer Frauen, die im Krieg Väter, Männer oder Söhne verloren haben. Eher klein ist die Rolle für Titelheld Ryan selbst ausgefallen, der von Jungstar Matt Damon ("Good Will Hunting") gespielt wird.

    Natürlich arbeitet Spielberg auch kräftig mit Klischees: flatternde US-Flaggen, Tränen am Grab der gefallenen Kameraden, ein einfühlsamer Captain, der trotz aller Zweifel am Sinn der Mission versucht, seine Soldaten aufzubauen. Captain Millers Truppe setzt sich politisch korrekt aus tatkräftigen Jungs aus dem Volk, ängstlichen Intellektuellen, temperamentvollen Italienischstämmigen, Juden und Protestanten zusammen. Die deutschen Gegner sind dagegen nur holzschnittartig charakterisiert und bleiben bei der Menschen- und Materialschlacht eher anonym im Hintergrund.

    Elke Vogel, dpa

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