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  • Kritik: Spiel mit Fantasie und Realität

    Die genial einfache Idee, einen Horrorfilm als echtes Video-Dokument verschollener Studenten erscheinen zu lassen, hat "The Blair Witch Project" zum profitabelsten Film aller Zeiten gemacht: Mit wenigen zehntausend Dollar produziert, hat er weltweit 230 Millionen Dollar eingespielt.

    Die Fortsetzung ließ nicht einmal ein Jahr auf sich warten. "Blair Witch 2", ab 9. November in den Kinos, knüpft thematisch an den Erfolg an, spiegelt also ebenfalls dokumentarischen Charakter vor.

    Am Anfang steht ein spöttisch-komischer Bericht über den Medienrummel und Fantourismus, der über den kleinen Ort Burkittsville im US-Staat Maryland hereingebrochen sein soll. Er zappt durch die Schlagworte der berühmtesten Talkshow-Moderatoren über das "Blair Witch Project", und angebliche Einwohner von Burkittsville berichten etwa, dass sie wegen der dauernd auf sie gerichteten Kameras nur noch geschminkt aus dem Haus gehen. In Wirklichkeit waren die Filmemacher in der 200-Seelen-Gemeinde mit üblen Beschimpfungen empfangen worden, weil die Bewohner alles andere als erfreut über das Image als Gruselort sind.

    Die Fortsetzung der Horrorgeschichte beginnt in einem "Witch Store", wo T-Shirts und Nachbildungen der aus Zweigen zusammengeschnürten Menschenfiguren verkauft werden, die der Legende nach von der Hexe an dem Ort zurückgelassen werden, wo sie ein Opfer getötet hat. Inhaber Jeff bietet neuerdings auch eine Tour durch den Wald an, in dem die drei Studenten Heather, Joshua und Michael auf der Suche nach Spuren der Hexenlegende Ende Oktober 1994 verschollen sind.

    Diesmal ist ganz sicher, dass Menschen in diesem Wald ermordet werden. War es wieder die Hexe von Blair, die dort seit mehr als 200 Jahren tödliche Rache für ihre Verbannung nimmt? Oder hat sie eine Gruppe junger Leute verhext, zu ihrem Werkzeug gemacht und in einen Mordrausch getrieben?

    Mit Jeff sind vier Teilnehmer in den Wald gefahren: Stephen und seine schwangere Freundin Tristen sowie zwei Frauen mit Hang zum Übersinnlichen. Kim, Anhängerin des Gruftie-Kults, glaubt, sie könne Kontakt mit dem Totenreich aufnehmen, und Erica hält sich selbst für eine Hexe. Sie möchte mit dem Geist der "Blair Witch" Elly Kedward in Verbindung treten. Nach der ersten Nacht im Wald haben die fünf Expeditionsteilnehmer keine Erinnerung mehr an den Abend. Jeffs Videokameras sind verschwunden, aber die Bänder tauchen wieder auf, und sie zeigen äußerst beunruhigende Vorgänge. In Jeffs Wohnung in einem alten Lagerhaus, das wie eine verlassene Burg aussieht, versuchen sie zu rekonstruieren, was geschehen ist.

    Plötzlich verschwindet Erica, und auf den Körpern der anderen erscheinen große blutrote Zeichen. Visionen wimmernder Kinder und Geisterstimmen lassen die jungen Leute zunehmend an ihrem Verstand zweifeln. Sie beobachten sich gegenseitig voller Misstrauen - umso mehr, als sie erfahren müssen, dass eine Gruppe junger Leute, der sie im Wald kurz begegnet sind, ermordet worden ist.

    Während die Ursache für das grauenvolle Verschwinden der Studenten bei ihrem "Blair Witch Project" unsichtbar blieb, sieht man in der Fortsetzung blutige Ritualmorde, Geister verwester Kindergestalten aus einem anderen Jahrhundert, hört ihr unheimliches Wehklagen, und böse Kräfte ergreifen Besitz von Menschen - bewährtes Arsenal aus der Horrorkiste. Ob Wahnvorstellungen oder Wahrheit, weiß der Zuschauer bald kaum mehr zu durchschauen, da Vor- und Rückblenden auf verwirrende Weise gemischt sind. Die Unsicherheit wächst, ob "Blair Witch 2" als makabre Satire oder ernst gemeint ist.

    Am Schluss weiß man es immer noch nicht genau, so dass sich der Kopf weiter damit beschäftigt. Das war offenbar auch Absicht von Regisseur Joe Berlinger, der nach eigenen Worten die durch Medien ausgelöste Gewalt in einer Mischung aus Horrorfilm und Krimi thematisieren wollte. Bereits in seiner preisgekrönten Dokumentation "Paradise Lost" über eine Serie bestialischer Kindermorde wurde jemand eines Verbrechens beschuldigt, das er vielleicht nicht begangen hat.

    Die beiden Erfinder des "Blair Witch Project", Eduardo Sanchez und Daniel Myrick, wollten bei der Fortsetzung nur als Berater tätig werden. Sie arbeiten in ihrer Firma Haxan Film an einer Komödie im Stil von "Kentucky Fried Movie" und "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug". Danach beginnt Haxan mit den Dreharbeiten für "Blair Witch 3", der die Vorgeschichte der Ereignisse schildern soll, die in "The Blair Witch Project" zu sehen waren.

    Inge Treichel, AP

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