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  • Kritik: Spiel mit der Angst

    Der deutsche Hollywood-Regisseur Roland Emmerich ist Spezialist für Katastrophen. In �Independance Day� (1995) ließ er Außerirdische die Erde überfallen, in �Godzilla� (1998) stapfte eine durch Atomwaffenversuche entstandene Riesenechse durch Manhattan. Emmerichs neuester Spezialeffekte-Coup �The Day After Tomorrow� zieht seine Faszination und seinen Schrecken aus einem Szenario, das die Menschheit tatsächlich einmal völlig aus der Bahn werfen könnte.

    Die weltweite Klimaveränderung lässt bei Emmerich die Polkappen schmelzen, der wärmende Golfstrom reißt ab, und eine neue Eiszeit überzieht die Erde. Bereits vor seinem Start sorgte der Film in den USA, die das Klimaprotokoll von Kyoto nicht unterschrieben haben, für hitzige Diskussionen. Laut �New York Times� wurden Regierungsbeamte von der Bush-Administration aufgefordert, sich mit Kommentaren zu dem Film zurückzuhalten, NASA-Wissenschaftler sollen keine Interviews über Klimaveränderungen im Zusammenhang mit dem Film geben.

    Politischer Zündstoff gegen Bush-Regierung

    Umweltaktivisten - allen voran Al Gore - wollen vor den Kinos Flugblätter verteilen, auf denen der Bush-Regierung vorgeworfen wird, die Gefahren ungebremster Kohlendioxid-Emissionen zu verharmlosen. Zugleich sind Industrie-Lobbyisten in Washington im Einsatz, um zu verhindern, dass der Film nicht die Verabschiedung eines Gesetzes vorantreibt, mit dem die Emissionen begrenzt werden könnten.

    Einfache Vater-Sohn-Geschichte voll spektakulärer Bilder

    Der Film selbst bietet bei einer etwas einfach gestrickten Vater-Sohn-Geschichte spektakuläre Bilder. Der Klimaforscher Jack Hall (Dennis Quaid) hat kaum Zeit, das Besorgnis erregende Ergebnis seiner Bohrungen im antarktischen Eis dem US-Präsidenten und seiner ignoranten Verwaltung zu unterbreiten, da bricht die verheerende Katastrophe schon los: Grapefruitgroße Hagelkörner prasseln auf Tokio nieder, Schnee bedeckt indische Städte, Tornados verwüsten Los Angeles, und auf New York schwappt eine riesige Flutwelle zu. Während die Nordamerikaner Richtung Mexiko flüchten, macht sich Hall auf den Weg nach New York, um seinen Sohn (Jake Gyllenhaal) zu retten.

    Die Tiere merken zuerst, dass etwas nicht stimmt

    Die Tiere merken zuerst, dass etwas nicht stimmt. Riesige Vogelschwärme ziehen über Manhattan, die Seehunde und Wölfe im Zoo drehen durch. Die Besatzung der internationalen Raumstation beobachtet ungläubig, wie sich gigantische Sturmwolken über der Erde zusammenballen. Emmerich beschreibt den Wettlauf um Leben und Tod anhand einer bunt zusammengewürfelten Gruppe von Menschen, die sich in die Public Library in Manhattan geflüchtet hat, darunter auch Sam, der Sohn des Klimaforschers.

    "Happy End würde die Menschen ermuntern so weiterzumachen"

    Emmerich beherrscht das Spiel mit der Angst perfekt. Dieses Mal bietet er den Zuschauern allerdings kein Happy End. �Wenn ich dem Film ein Happy End verpasst hätte, dann würde man die Menschen ermuntern so weiterzumachen und sie würden denken, es gibt einen wie Bruce Willis, der dann alles wieder richtet. Das würde jemandem wie Bush in die Hände spielen�, meint Emmerich, der seinen Film ausdrücklich als politische Meinungsäußerung versteht.

    Ein großes Unbehagen bleibt...

    Am Ende versinkt die Freiheitsstatue in Eis und Schnee, nur eine Hand voll Menschen scheint überlebt zu haben. Auch wenn Klimaforscher betonen, dass das in �The Day After Tomorrow� inszenierte Szenario einer neuen Eiszeit �wissenschaftlich nicht haltbar� ist: Ein Unbehagen bleibt, und damit hat Emmerich schon alles erreicht, was er wollte.

    dpa

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