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  • Kritik: Spektakuläres Regiedebüt

    Tief unten im schimmernden Blau des Ozeans ziehen Delfine elegante Linien durchs Wasser. Dazwischen schwimmt eine junge Frau, harmonisch gleitend wie sie. Doch der Traum endet jäh: Das Mädchen taucht auf und blickt auf das kalte Weiß einer Badewanne in einer psychiatrischen Anstalt.

    Die Sehnsucht nach dem Meer ist das Motiv des Films "Dolphins", der an diesem Donnerstag in die Kinos kommt. Das Regiedebüt des in Deutschland lebenden Iraners Farhad Yawari ist ein poetisches Märchen von der Kraft der Fantasie und der Freiheit - und ein künstlerisches Experiment ohne Worte, mit dem sich der 25-Jährige selbst einen Traum erfüllt hat.

    In ihrer Vorstellungswelt sucht Lara (Julia Brendler) das Glück, das ihr hinter den vergitterten Fenstern der Anstalt fehlt. Das strenge Personal beäugt sie misstrauisch, nur der Pfleger Jakob (Marco Hofschneider) hat ein Gespür für Laras Liebe zum Meer. Er schenkt ihr ein Foto des Ozeans und eine Muschel, die das Rauschen der Brandung in sich trägt. Laras immer ausgelassenere Fantasie erfasst auch andere Patienten. Die Anstaltsleitung schreitet dagegen hart ein. Doch Laras Sehnsucht nach Freiheit ist endgültig unstillbar geworden.

    Der nur etwa 40 Minuten lange Film erzählt seine leise Geschichte mit eindringlichen Bildern und Musik, doch ohne Worte. "In Momenten großer Gefühle zählen Gesten und Augenblicke, die jeder im Bauch spürt, ohne dass jemand etwas sagt", erläutert Yawari. Immer wieder schlägt Laras Empfinden hart um, erkennbar an den drei Farben des Films. Im meerblauen Licht schwimmt sie im Traum in den Fluten. Warmgelb erscheinen Momente des Glücks, bis das Anstaltspersonal in grellweißen Kitteln die Magie zerplatzen lässt. Schwerelos fährt die Kamera um das Gesicht des Mädchens, in den Augen schimmern springende Delfine. Mal schwindet der Lärm der Psychiatrie, dann ist das Herzklopfen laut zu hören.

    Ursprünglich hatte Yawari die Story für eine erste Studienübung an der Münchner Filmhochschule geschrieben. Sie sprengte aber bei weitem den Rahmen. "Es war ein Traum, und ich wollte nicht wahrhaben, dass er unmöglich bleiben sollte." Vier Jahre kämpfte er für seine Idee und bekam über Sponsoren ein Budget im Wert von 4,5 Millionen Mark zusammen. Es ermöglichte ihm, Unterwasser-Aufnahmen auf den Bahamas zu machen und digital nachbearbeiten zu lassen. Schauspieler wirkten ohne Gage mit. Die NDR-Radiophilharmonie spielte den Soundtrack zu einem günstigen Preis ein. Die Mühe habe sich gelohnt, sagt Yawari, "wenn es klappt und so kracht, dass es Schule macht."

    "Dolphins" wurde im vergangenen Jahr zu mehreren internationalen Filmfestspielen eingeladen und gewann unter anderem beim Slamdance- Festival in den USA im Januar 2000 den Publikumspreis als bester Film. Amerikanische Kritiker feierten den einfühlsamen Streifen überschwänglich. "Ich wollte nicht die tausendste Beziehungskomödie drehen, sondern einen großen emotionalen Film mit den Mitteln, die Hollywood einsetzt", erläutert Yawari. In die deutschen Kinos kommt er mit zwei Vorfilmen: dem in schwarz-weiß gedrehten Kurzwerk "Verzaubert" von Carmen Stozek und Christian Ditter sowie der liebenswürdigen "Queen's Park Story" von Barney Cokeliss.

    Sascha Meyer, dpa

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