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  • Kritik: Spektakel nicht nur für Tolkienisten

    London. J.R.R. Tolkien, der englische Autor des Kultbuchs "Der Herr der Ringe", hasste aufdringliche Fans. Besonders ärgerte er sich über einen, der ihn mitten in der Nacht aus Amerika anrief und als Anliegen vorbrachte: "Herr Professor, hat ein Balrog Flügel?"

    Tolkien tat daraufhin zweierlei: Er ließ seine Nummer aus dem Telefonbuch streichen und die Frage unbeantwortet. Sie hat seitdem zahllose Fans umgetrieben. Nun endlich erhoffen sie sich Aufschluss über das genaue Aussehen des Dämonen - aus der Verfilmung der Fantasy-Saga, die am Mittwoch (19.12.) auch in Deutschland anläuft. Ob Flügel oder nicht: Die Fans dürften vom Balrog ebenso wenig enttäuscht sein wie von den anderen fantastischen Gestalten aus Mittelerde.

    Tolkien verachtete Hollywood, besonders Disney

    Der Regisseur Peter Jackson (40) hat weitgehend geschafft, was Generationen von Filmemachern für unmöglich hielten, vor allem seit einer erfolglosen Zeichentrickversion von 1978: eine überzeugende Umsetzung der Tolkienschen Vision in Kinobilder. Sicher, es gab bei Pressevorführungen in London Leute, die anschließend riefen: "Und was ist mit Seite 53?" Das sind die berühmten Tolkienisten. Die meisten Zuschauer aber dürften dankbar sein, dass Jackson gestrafft hat, was der Autor selbstkritisch als "zu lang" und "zu kompliziert" bewertete.

    Tolkien verachtete Hollywood, besonders Disney. Aber er betrachtete sein Werk nicht als etwas Heiliges, sondern besuchte sogar Schulaufführungen und sparte nicht mit Lob dafür. Jacksons Film atmet den Geist der Vorlage - das sollte reichen. Aus Computer- Animationen und den Landschaften seiner neuseeländischen Heimat lässt er das vorgeschichtliche Mittelerde erstehen. Wie eine Rakete rast die Kamera tausend Meter hohe Zaubertürme hinauf, überfliegt Gebirge und stößt hinunter in die Tiefen des Bergwerks von Moria.

    Besetzung ist durchweg überzeugend

    Um die Spannung über fast drei Stunden zu halten, lässt Jackson ein gewaltiges Bestiarium aufmarschieren, inszeniert Verfolgungsjagden und weidet sich an Schlachten. Zurecht ist der Film in Deutschland erst ab zwölf Jahren freigegeben, denn für Kinder ist das alles nicht geeignet - "viel zu grausam", warnt Christopher Lee, der als böser Zauberer Saruman brilliert. Die Besetzung ist durchweg überzeugend, ob Elijah Wood als Hobbit Frodo, Ian McKellen als Zauberer Gandalf oder Cate Blanchett als Elfenkönigin Galadriel.

    Der Kampf des kleinen Frodo gegen den übermächtigen dunklen Lord Sauron in seinem Ost-Reich Mordor ist schon auf die unterschiedlichste Weise ausgelegt worden: als Parabel auf den Kampf gegen Hitler, den Kommunismus und neuerdings sogar Osama bin Laden. Jackson erzählt vor allem eine Geschichte von der Versuchung der Macht. Wer den "Einen Ring" mit seinen ungeheuren Kräften trägt, verfällt ihm früher oder später, wie gut er es anfangs auch gemeint haben mag. Helden sind davor nicht gefeit: Die neun Gefährten, die aufbrechen, um den Ring zu vernichten, bekämpfen sich am Ende gegenseitig, um in seinen Besitz zu gelangen.

    Verkaufzahlen der Bücher schnellen wieder in die Höhe

    Ein echtes Ende allerdings gibt es nicht: Der Film ist nur der erste von Dreien. In einem Jahr folgt Teil 2, in zwei Jahren Teil 3. Viele wollen so lange nicht warten, um zu erfahren, ob Frodo triumphieren wird: Die Verkaufszahlen des Buches sind in England bereits um 500 Prozent gestiegen.

    Christoph Driessen, dpa

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