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  • Kritik: Spannendes Künstlerporträt

    Die erste Szene des Films zeigt Jackson Pollock (Ed Harris), den amerikanischen Star der abstrakten Malerei, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Bei einer Ausstellungseröffnung 1950 in Manhattan signiert der Künstler einen Artikel in der Zeitschrift "Life" mit der Überschrift: "Jackson Pollock: Ist er der größte, lebende Maler der Vereinigten Staaten?"

    Ed Harris, Hauptdarsteller, Produzent und Regisseur des Künstlerporträts "Pollock" bejaht die Frage, allerdings mit leichtem Zögern. "Ich bin etwas voreingenommen", räumt Harris ein, doch Pollock sei einfach "enorm gut". Mehr als 10 Jahre hat der Schauspieler das Leben und die Werke des Künstlers studiert, Freunde und Kollegen des 1956 bei einem Autounfall verstorbenen Malers befragt und sich ein eigenes Atelier eingerichtet, um selbst abstrakt zu malen.

    Die "New York Times" lobt das Regiedebüt des Schauspielers als "ersten Film über einen Maler ohne die überschwänglichen Klischees, die man aus anderen Filmen über den schöpferischen Prozess kennt". Auch ist es Harris gelungen, mit "Pollock" eine Oscar-Trophäe und eine Nominierung zu holen. Im Frühjahr 2001 gewann Marcia Gay Harden den Oscar als beste Nebendarstellerin. Sie spielt die Künstlerin Lee Krasner, die 1941 in Pollocks Leben tritt, seine Karriere maßgeblich beeinflusst und den Maler heiratet.

    Ed Harris, der als "bester Schauspieler" auf einen Oscar hoffen konnte, verlor gegen "Gladiator"-Darsteller Russell Crowe. 45 Sekunden lang sei er richtig enttäuscht gewesen, erinnert sich der Hollywoodstar schmunzelnd an seine "Niederlage". Mit "Pollock" zeichnet Harris ein spannendes Porträt des Malers, der einerseits von Depressionen, Alkoholismus und Selbstzweifeln geplagt wird, andererseits durch seinen revolutionären Stil zum internationalen Star der Kunstszene aufsteigt.

    Dabei treten die exzentrische Galeristin und Kunstsammlerin Peggy Guggenheim (Amy Madigan), der Malerkollege Willem De Kooning (Val Kilmer) und kurz vor seinem Tod das Fotomodell Ruth Kligman (Oscar- Gewinnerin Jennifer Connelly) in sein Leben.

    Der Film sei nicht als eine Lektion in Kunstgeschichte zu verstehen, meint Harris. Es gehe ihm vielmehr um den Menschen und die Kräfte, die Pollock antrieben und am Ende zerstörten. Die eindruckvollsten Momente sind jedoch die Szenen, in denen Pollock malt. Ed Harris schlüpft so überzeugend in die Rolle des Künstlers, dass man glaubt, Pollock bei der Arbeit zuzusehen. Berühmt wurde der abstrakte Maler vor allem durch die Erfindung der "Drip-Technik", bei der die Farbe auf die Leinwand getropft oder gegossen wird, ohne dass der Pinsel das Bild berührt.

    "Pollock" sei kein typisch amerikanischer Film, glaubt der Regisseur, was auch erklären mag, dass der Streifen an den US- Kinokassen nur 8 Millionen Dollar (8,57 Millionen Euro) einspielte. Der Film nimmt sich Zeit, den Künstler bei der Arbeit zu beobachten, seine schwierige Beziehung mit der Malerin Lee Krasner zu verstehen und seine Alkoholexzesse darzustellen. Die europäischen Zuschauer hätten mehr Geduld für filmische Erzählungen, in denen nicht alle zwei Sekunden ein Schnitt erfolgt, hofft Harris. Ohne Scheu gibt er zu, auf sein Regiedebüt sehr stolz zu sein.

    Barbara Munker, dpa

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