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  • Kritik: Spannender,witziger,gruseliger

    Seine Stimme ist tiefer, sein Gesicht etwas männlicher, aber die runde Brille ist dieselbe: Der Welt liebster Zauberlehrling ist zurück - in "Harry Potter und die Kammer des Schreckens". Der zweite Film nach der Bestsellerreihe von Joanne K. Rowling ist spannender und witziger als der erste, aber auch gruseliger. Für kleine oder ängstliche Kinder ist er sicher nicht geeignet.

    Am 3. November wird der neue Streifen, der am Donnerstag in London einem ausgewählten Pressepublikum vorab gezeigt wurde, in der englischen Metropole seine offizielle Weltpremiere feiern.

    "Die Geschichte wiederholt sich", sagt die Computer-animierte Elfe Dobby an einer Stelle - und in der Tat: Vieles läuft nach dem Muster des ersten Films ab. Die drei Hauptdarsteller sind nach wie vor Daniel Radcliffe (Harry Potter), Rupert Grint (Ron Weasley) und Emma Watson (Hermine Granger). Alle sind deutlich gereift und haben ihre schauspielerischen Leistungen nach Ansicht des Regisseurs Chris Columbus stark verbessert.

    Oberliga britischer Filmschauspieler komplett

    Wieder ist die erste Liga britischer Filmschauspieler nahezu vollständig vertreten: Unter anderem Richard Harris als weiser Schulleiter Albus Dumbledore, Alan Rickman als undurchschaubarer Professor Snape und Robbie Coltrane als knuffeliger Wildhüter Rubeus Hagrid.

    Herrlich eitel: Kenneth Branagh als Gilderoy Lockart

    Der heimliche Star dieses Films aber ist neu: Kenneth Branagh gibt ein Gastspiel als Starautor Gilderoy Lockart. Der zur Zeit wohl renommierteste englische Shakespeare-Darsteller setzt diese Figur witziger um als im Buch, wo sie manch einem doch etwas dick aufgetragen schien. Branagh nimmt man seine Eitelkeit wirklich ab.

    Dank an Columbus' Kids: kaum ein Detail fehlt

    Bei der Handlung hat sich Columbus erneut streng an die Vorlage gehalten. Und wieder hat er - nach eigener Darstellung unter dem Druck seiner Kinder - kaum ein Detail, kaum eine Nebenhandlung ausgelassen, was den Film zweieinhalb Stunden lang werden lässt. Die vielen verschiedenen Handlungsstränge und die komplizierte Vorgeschichte, die Columbus voraussetzt, machen den Film letztlich nur für Potter-Fans verständlich. Man muss entweder den ersten Film gesehen haben oder die Bücher kennen, sonst bleibt einem vieles schleierhaft.

    Hogwarts wird von unheimlichem Monster heimgesucht

    Wer nicht ganz mitkommt, versteht aber immer noch genug, um mit den Helden mitfiebern zu können. Diesmal wird das Zauberschloss Hogwarts von einem unheimlichen Monster heimgesucht, das reihenweise Schüler zu Stein werden lässt, die keine reinrassige Ahnenreihe vorweisen können. Harry wird zeitweise von seinen Schulkameraden geschnitten, Direktor Dumbledore muss seinen Posten räumen, und ein kleines Mädchen soll Lord Voldemort geopfert werden. Das ist starker Tobak, ganz zu schweigen von den Kampfszenen mit Riesenspinnen und - Schlangen. Selbst ein Baum, die sich wie ein Hooligan gebärdet, könnte glatt einem Horrorfilm entstammen.

    Wann darf sich Harry endlich verlieben?

    "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" kommt am 14. November in die deutschen Kinos. Die Produktionsfirma Warner Bros ist sich des neuerlichen Erfolgs so sicher, dass sie schon den dritten Teil vorbereitet. Schade, dass die Buchvorlage vorerst noch wenig Stoff für eine Romanze hergibt, wo Harry doch schon sichtlich pubertiert. Dieses Mal bleibt es bei dem Angebot eines weiblichen Gespensts, das die Mädchentoilette heimsucht: "Harry, wenn du stirbst, darfst du gern mein Klo mit mir teilen."

    Christoph Driessen, dpa

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