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  • Kritik: Spannender JustizThriller

    «Das Urteil» ist kein Gerichts-Thriller wie jeder andere. Er beginnt wie eine typische Geschichte vom Duell eines guten, anständigen Anwalts (Dustin Hoffman) und eines skrupellosen Geschworenenexperten im Dienste der mächtigen Waffenindustrie (Gene Hackman).

    Aber schon bald verlässt der Film nach einer Vorlage des Bestseller-Autors John Grisham gewohnte Pfade: Einer der Geschworenen (John Cusack) bietet den Seiten die Entscheidung der zwölfköpfigen Jury zum Kauf an, Startpreis zehn Millionen Dollar.

    In dem Prozess geht es um den Tod eines jungen Familienvaters, der im Kugelhagel eines Amokläufers stirbt, eines gefeuerten Ex-Kollegen, der an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, wahllos um sich schießt und anschließend sich selbst richtet. Seine Witwe sucht Vergeltung und verklagt die Firma, die die Todeswaffe hergestellt und ihrer Ansicht nach zu leicht zugänglich gemacht hat.

    Es ist ein Geschworenenprozess und die Waffenlobby befürchtet eine Niederlage, die einen Präzedenzfall und zahllose Folgeklagen nach sich ziehen würde, allein schon wegen der hoch kochenden Emotionen. Da die Prozessseiten Mitspracherecht bei der Bildung der Jury haben, wird Rankin Fitch engagiert, ein erfahrener Profi, der durch die richtige Auswahl der Geschworenen ein positives Urteil garantieren soll. Dessen erklärtes Credo ist: «Prozesse sind zu wichtig, um sie Geschworenen zu überlassen». Und jeder Mensch hat ein Geheimnis, das nicht entdeckt werden soll.

    Der 74-jährige Routinier Hackman strahlt in Fitchs Rolle Macht, Reichtum und diabolischen Charme aus. Sein Gegenspieler, der von Hoffman (66) gespielte Anwalt Wendell Rohr ist dagegen ein schlecht gekleideter Idealist, der sich allein auf Instinkt und Menschenkenntnis verlassen muss, während Fitch moderne Computer- Überwachung einsetzt und mit vielen Mitarbeitern in der schmutzigen Wäsche der Jury-Kandidaten wühlt. Zugleich kämpft Rohr mit der Versuchung, Gerechtigkeit einfach zu erkaufen.

    Fitchs Hauptquartier, das mit riesigen Computermonitoren und allerlei technischem Schnickschnack an eine CIA-Einsatzzentrale erinnert, mag überdimensioniert vorkommen und die Figuren der beiden Gegenspieler zu klischeehaft, das großartige Spiel der Oscar- Preisträger Hackman und Hoffman lässt das alles vergessen. Es ist unglaublicherweise das erste Mal, dass die beiden Jugendfreunde - sie begannen einst zusammen ihre Theater-Karriere in New York und Hoffman schlief in Hackmans winziger Küche - gemeinsam vor der Kamera stehen.

    Weiteres Glanzlicht ist Cusack als Geschworener Nummer neun, der mit subtilen Psychotricks die Kontrolle über fast alle seine Kollegen gewinnt, ohne dass sie es merken. Seine Komplizin spielt die aus den beiden «Die Mumie»-Filmen bekannte Rachel Weisz. Und die Thriller- Erfahrung von Regisseur Gary Fleder («Sag kein Wort», «...denn zum Küssen sind sie da») sorgt für mehr Tempo und Spannung.

    Für die Amerikaner hat der Film eine ganze andere Brisanz als für den Zuschauer hier zu Lande. Zum einen behandelt er die Schwächen des Geschworenen-Systems angesichts von Manipulierbarkeit, Inkompetenz oder auch Käuflichkeit der Menschen. Vor allem aber greift er in den endlosen Streit um privaten Waffenbesitz in den USA ein. Schätzungsweise 200 Millionen Schusswaffen sind in der Hand der US- Bürger. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als 100 Amokläufe am Arbeitsplatz gezählt, immer wieder kommt es zu Todesschüssen an Schulen.

    Erst einen Monat vor der US-Premiere des Films im vergangenen Herbst stürmte ein 36-jähriger Ex-Angestellter einer Autowerkstatt an seinen alten Arbeitsplatz und erschoss sechs Kollegen. Selbst der Polizeichef von Chicago kritisierte daraufhin einen zu leichten Zugang zu Waffen. Grishams 1996 erschienene Romanvorlage handelte übrigens vom Prozess gegen einen Tabakkonzern. Nachdem dieses Thema aber schon im Mittelpunkt des Films «Der Insider» stand, wurde die Waffenindustrie als neues Ziel ausgesucht.

    dpa

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