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  • Kritik: Spannende Musikdoku

    Der Texaner Townes Van Zandt (1944-1997) gilt als einer der originellsten Songwriter und Sänger seiner Zeit. Berühmte Kollegen wie Bob Dylan, Willie Nelson oder Norah Jones verehren ihn, spielen nach wie vor seine traurigen Songs. Van Zandt war ein genialisch Getriebener, der in keine Schublade passte und sich nie von der Musikindustrie der Country-Metropole Nashville hat vereinnahmen lassen.

    Die amerikanische Filmemacherin Margaret Brown zeichnet in ihrem Dokumentarfilm «Townes Van Zandt - Be here to love me» ein sehr intimes, berührendes Porträt dieses zerrissenen Künstlers und Menschen. Weggefährten, Familienangehörige und Freunde wie Kris Kristofferson, Guy Clark, Emmylou Harris oder Steve Earle kommen zu Wort, dazwischen gibt es Archivaufnahmen von Konzerten und Interviews mit Townes Van Zandt, der seine illusionslose Weltsicht so beschrieben hat: «Ich denke nicht, dass meine Songs alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind - sie sind hoffnungslos.»

    «To Live is to Fly» heißt einer seiner schönsten Songs, nur im Höhenflug konnte dieser Mann überleben, die Abstürze waren dann um so drastischer. Drogen und Alkohol brachten ihn immer wieder an den Rand des Abgrunds. Hinter den Exzessen verbirgt sich eine traurige Jugend. Als er 20 Jahre alt war, landete Van Zandt nach einem vermeintlichen Selbstmordversuch in der Psychiatrie und wurde mit Elektroschocks traktiert. Danach waren fast alle seine Kindheitserinnerungen ausgelöscht. Die Karriere als Musiker kann man auch als Flucht vor diesem Trauma sehen. Es geht ihm um die totale Hingabe an die Berufung: «Aber dafür muss man alles andere aufgeben. Man muss dafür die Familie aufgeben, Geld, Sicherheit, Glück, Freiheit - all das muss man in den Wind schreiben.»

    Einen großen Hit konnte er selbst nie landen, aber als Willie Nelson mit Van Zandts «Pancho Lefty» ganz oben in den Country- Charts landete, mauserte sich der Songwriter zum bewunderten Geheimtipp. Er selbst schien nie viel Wert auf Erfolg, Wohlstand oder Ruhm gelegt zu haben. So blieb er im umtriebigen Musikbetrieb immer ein Außenseiter.

    Townes Van Zandt pflegte seine ganz eigene Art von Humor, bei Konzerten erzählte er mitunter endlos Witze oder Anekdoten aus seinem Leben. Ein versponnener, sarkastischer, bissiger Typ, der zum Spaß «Russisches Roulette» spielte und sich mitunter gegenüber Ehefrauen und Kindern sehr egoistisch verhielt.

    Der Mann ist einfach nicht zu fassen, auch in Margaret Browns schöner Hommage nicht. Was bleibt sind die Songs, dem kaputten Leben abgetrotzte Elegien von großer Verlorenheit. «Flying Shoes» heißt einer. Mit Siebenmeilenstiefeln ging Townes Van Zandt durch sein Leben, in den 90er Jahren ähnelte sein Gesicht dem eines alten Mannes. Als er am Neujahrstag 1997 starb, war er gerade 52 Jahre alt.

    dpa

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