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  • Kritik: Spannend wie ein PsychoThriller

    Erotisch aufregend, spannend wie ein Psychothriller und politisch brisant - das Filmporträt des weltberühmten Sexualforschers Alfred C. Kinsey (1894 - 1956) erfüllt alle Erwartungen an großes Kino. Die überragende Qualität der filmischen Biografie des 1948 durch die Studie «Das sexuelle Verhalten des Mannes» weltberühmt gewordenen Wissenschaftlers wird wesentlich durch dessen Darstellung geprägt.

    Liam Neeson stellt den zunächst als Zoologen, dann als Sexualforscher erfolgreichen Mann nicht auf einen Sockel, sondern porträtiert ihn facettenreich mit all seinen Ecken und Kanten. Dafür wurde der 1952 geborene Ire jüngst von der Vereinigung der in Los Angeles ansässigen Filmkritik als bester Schauspieler des Jahres ausgezeichnet.

    Die Intensität der Darstellung erklärt sich wohl auch aus dem persönlichen Bezug, den Liam Neeson zur Rolle hatte. Dazu sagte er im Februar während der 55. Internationalen Filmfestspiele Berlin: «Aufgewachsen im Irland der 50er und 60er Jahre, habe ich eine Welt voller sexueller Tabus und Bigotterie selbst erlebt. Und ich muss sagen: Die Arbeit von Kinsey ist unschätzbar.» Neeson beurteilt den Film insbesondere mit Blick auf die Gegenwart, wie er erläuterte: «Das gegenwärtige geistige und moralische Klima in den USA erinnert doch sehr an die Zeit des Kalten Krieges. Ein Mann wie Kinsey hätte dort heute sehr viel zu tun.»

    Wie richtig Liam Neeson mit dieser Einschätzung liegt, zeigt sich beispielsweise daran, dass es in den USA massive Versuche gab, den Start des Films zu behindern. Selbst große Fernsehsender etwa zögerten wegen vorgeblich moralischer Bedenken, Werbespots für «Kinsey» zu zeigen. Dazu sagte Regisseur Bill Condon auf der Berlinale: «In einem Staat, in dem mehr und mehr Schulen Darwins Lehre von der Evolution wegen angeblicher Gotteslästerung vom Lehrplan nehmen, andererseits die Sex-Industrie so groß ist wie sonst wohl nirgends auf der Welt, verwundert der bigotte Umgang mit dem Werk Kinseys nicht. Aber genau das macht den Film so wichtig.»

    Doch «Kinsey» ist nicht in erster Linie politisches Pamphlet wider die Zunahme eines restriktiven Umgangs mit Sexualität in den USA. Das ergibt sich gleichsam nebenbei aus der Seriosität und Sensibilität der Inszenierung. Der Film ist vor allem packendes Porträt eines Mannes, der allen persönlichen und gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz seinem Lebenswerk treu bleibt. Die dramaturgisch geschickt gebaute Erzählung schlägt einen spannungsgeladenen Bogen von Kinseys ersten Erfolgen als Zoologie-Professor an der Indiana University in Bloomington, im US-Bundesstaat Indiana, bis zum Ruhm dank des Kinsey- Reports von 1948 und der Verachtung durch das scheinheilige bürgerliche Amerika anlässlich des Erscheinens von «Das sexuelle Verhalten der Frau» im Jahr 1953.

    Streiflichtartig werden dabei auch die komplizierte Beziehung zum puritanisch strengen Vater, sein Ehe- und Familienleben sowie seine lange intime Beziehung zu seinem wichtigsten Assistenten beleuchtet. Die Darstellung von Sexualität ist durchweg angenehm offenherzig und geschmackvoll.

    Aufschlussreich ist, dass Bill Condons letzter Film über die komplizierte Erotik des Frankenstein-Schöpfers James Whale, «Gods and Monsters», mit einem «Oscar» für das beste Drehbuch geehrt wurde. «Kinsey» ging bei der diesjährigen «Oscar»-Verleihung trotz einiger Nominierungen leer aus. Sicherlich noch ein Indiz für die Aktualität von «Kinsey».

    dpa

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