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  • Kritik: "Sommer"

    Liebe ist per se eine tragische Angelegenheit. Besonders, wenn man darüber so viel reden muß wie in den Filmen von Eric Rohmer. Denn Worte lassen sich viel leichter steuern als Gefühle. Und Denken ist immer noch viel leichter als Handeln. Viele Worte, wenig Taten. Das birgt eine gewisse Komik.

    Gaspard (Melvid Poupaud), der Held von Rohmers drittem Film aus seinem Jahreszeiten-Zyklus - nach "Frühlingserzählung" und "Wintermärchen" - ist beides: traurig und komisch - und eine typisch Rohmersche Figur.

    Gaspard streift zu Beginn durch den bretonischen Küstenort Dinard, schweigend, suchend. Der Raum beschränkt sich auf den Strand, ein Café, das Zimmer. Alles klar und geordnet.

    Dann kommt Bewegung in die Szenerie. Margot (Amanda Langlet), die Café-Bedienung, spricht Gaspard an. Die beiden gehen spazieren. Schon ist es aus mit der Ruhe, wird der Zuschauer vom gemütlichen Betrachter zum bewegten Mitwisser. Gaspard also wartet eigentlich auf Léna (Aurélia Nolin), angeblich seine Freundin. Deren Status in seinem Privatleben ist allerdings genauso unsicher wie die Zeit ihrer Ankunft in Dinard.

    Klar ist in der Welt des Eric Rohmer, das ist ganz klar, von vornherein gar nichts. Je mehr Gaspard von Léna, die er liebt, erzählt, um so mehr nähert er sich Margot, die - typischer Fall sehr gute Freundin - alles, nur nicht das von ihm will. Vielmehr will sie ihn mit der attraktiven Solène (Gwanaëlle Simon) verkuppeln. Wogegen sich Gaspard zunächst heftigst wehrt, um dann um so heftiger mit dieser Brünetten zu flirten. Als dann auch noch Léna kommt, ist das Liebes-Chaos komplett.

    Menschen, Freunde zumal, und Gefühle, die Liebe im besonderen, lassen sich nicht von der Vernunft her steuern: eine Botschaft dieses Filmes. Über eigene Gefühle zu sprechen heißt noch nicht, sie auch wirklich zu kennen: eine andere Moral von der Geschicht' aus dem Rohmerschen Sommer. Aber das eigentlich Faszinierende ist doch letztlich, wie es der 75jährige Alt-Meister der Nouvelle Vague schafft, immer wieder neue Muster aus alten Stoffen zu weben.

    Man kennt sie alle, die redseligen, beziehungsgestreßten Endzwanziger-, Anfangdreißiger-Jahrgänge aus dem Rohmerschen Reich - die Frau des Fliegers, Claire mit ihrem Knie, den Freund der Freundin, die Pauline vom Strand -, man begrüßt sie als alte Freunde - mit neuem Namen und neuem Gesicht natürlich - und entdeckt doch immer wieder mit Vergnügen, daß die letzten Worte über die schönste Sache der Welt noch nicht gefallen sind.

    Zumal einem das Medium Film erlaubt, diese auch noch so schön zu illustrieren. Nicht umsonst steigen Gaspard und Margot über steinige Felsen am Strand, wenn sie versuchen, die gefährlichen Klippen ihrer unsicherer werdenden Beziehung zu umschiffen; waten Gaspard und Léna über einen besonders ebenen Teil des Strandes, wenn ihr Verhältnis zu verflachen, im Sande zu verlaufen droht. Dieser wunderschöne "Sommer" entbehrt zwar jeder Überraschung - alles ist bekannt, schon einmal gesehen. Doch was für andere Filme ein eindeutiges Qualitätsdefizit ist, ist für einen Rohmer-Streifen immer noch das größte Kompliment.

    "Sommer" (Frankreich) 1996: 113 Minuten. Startet mit 30 Kopien. Frei ohne Altersbeschränkung. Regie und Drehbuch: Eric Rohmer. Musik: Philippe Eidel, Sébastien Erms. Darsteller: Melvid Poupaud, Amanda Langlet, Aurélia Nolin, Gwanaëlle Simon.

    Copyright: , 20.6.1996

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