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  • Kritik: Solider Thriller

    Das Hauptquartier der Vereinten Nationen (UN) am East River in Manhattan ist schon oft Schauplatz von Dramen und Intrigen gewesen, echten wohlgemerkt. Nun durfte der Oscar- Preisträger Sydney Pollack («Jenseits von Afrika») zum ersten Mal einen Hollywood-Thriller hier drehen.

    Die Filmstory ergibt sich aus dem Ort: Nicole Kidman belauscht als UN-Dolmetscherin ein Gespräch über einen möglicherweise geplanten Mord und steckt auf einmal mitten in einem gefährlichen politischen Komplott. Der Film ist durchaus spannend, kommt aber mit einem etwas zu routiniert wirkenden Drehbuch nicht an die Klassiker des Genres heran.

    Auf den Diktator eines fiktiven afrikanischen Landes soll während seiner Rede vor der Hauptversammlung der Vereinten Nationen ein Anschlag verübt werden. Der Mann hat viele Feinde. Seine früheren Weggefährten hat er längst verraten, er herrscht mit Gewalt und Korruption. Ob auch die Dolmetscherin Silvia Broome, geboren im Land des Diktators, selbst zu seinen Gegnern zählt?

    Der Bundesagent Tobin (Sean Penn) ist für den Schutz von Politikern in den UN-Gebäuden zuständig und zweifelt an der Aufrichtigkeit der Zeugin. Denn Silvia hat gute Gründe, den skrupellosen Politiker selbst zu hassen. Ihre Eltern sind bei Unruhen in seinem Land ums Leben gekommen, ihr Bruder ist vermisst.

    Sydney Pollack hat vor 30 Jahren schon einmal einen denkwürdigen Politthriller gedreht, «Die drei Tage des Condors» mit Robert Redford und Faye Dunaway. Mit der «Dolmetscherin» hat er wieder ein gutes, zeitgenössisches Thema gefunden: Die Vereinten Nationen als Podium der Weltpolitik, ohne klare Macht, aber mit hohem Symbolwert, der nicht selten missbraucht wird. Auf dieser Seite steht der Glaube an diplomatische Vernunft, an friedliche Lösungen. Silvia Broome, die Dolmetscherin, tritt als Idealistin auf, die die moralische Sonderposition der UN vollkommen unterstützt. Sie trauert um ihre Familie und will vergeben. Doch manchmal liegen Trauer und Rache doch näher beieinander.

    Große Themen also für einen Kinofilm, zu große für «Die Dolmetscherin». Die Schicksalschläge im Leben der Silvia Broome erinnern eher an einen Trivialroman, und es ist nur Nicole Kidman zu verdanken, dass die Heldin nicht peinlich wirkt. Sie verzichtet bewusst auf jeden Glamour und agiert extrem zurückgenommen. Sean Penn als ihr aus anderen Gründen ebenfalls trauernder Leinwandpartner ist ohnehin ein Naturereignis. An den Stars liegt es nicht, eher am Drehbuch, dem die eine oder andere überraschende Wendung fehlt.

    Sehenswert ist Pollacks solide inszeniertes Werk durchaus. Mit schöner Langsamkeit lichten sich die Nebel der verschiedenen Interessen und Verstrickungen. Herrlich nervenaufreibend ist eine Szene im Bus auf den Straßen Manhattans, in der alle feindlichen Linien aufeinander treffen. Und die in den 40er Jahren von Architekten wie Le Corbusier und Oscar Niemeyer entworfenen UN- Gebäude liefern nicht nur ein authentisches Ambiente, sondern faszinieren durch ihre weltläufige Ausstrahlung im Retro-Chic.

    dpa

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