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  • Kritik: Solider Krimi von und mit Clint Eastwood

    Steve Everett ist der Veteran unter den Zeitungsreportern der "Oakland Tribune". Er trinkt zuviel, steigt noch immer den Frauen nach und oft genug auch mit ihnen ins Bett, seine Ehe kriselt deshalb beträchtlich, seiner kleinen Tochter ist der faltige Mann ein miserabler Vater.

    Nur eines stimmt bei Everett nach wie vor: Er hat eine untrügliche Spürnase für Geschichten mit verkaufsfördernden Schlagzeilen. Als er nach dem tragischen Tod einer jungen Kollegin über die Hinrichtung des wegen Mordes verurteilten Frank Beachum berichten soll, deutet allerdings wenig auf eine Sensation, denn der gottesgläubige Schwarze scheint verloren.

    Immerhin kann Everett das letzte Interview mit dem Todeskandidaten absolvieren. Doch das Gespräch mit diesem vom edelgesichtigen Isaiah Washington gespielten Mann elektrisiert den alten Haudegen: Beachum muß unschuldig sein! Everett recherchiert unter größtem Zeitdruck den längst abgeschlossenen Fall eines mörderischen Raubüberfalls erneut und kommt der Wahrheit auf die Spur.

    Aber ist es nicht schon zu spät? Beachum jedenfalls nimmt Abschied von Frau und Tochter. Dann wird er festgeschnallt, die Giftspritze ist bereit, alle Gnadengesuche sind abgelehnt. Everetts verzweifelter Kampf um das Leben Beachums ist ein Kampf gegen die Uhr - und die tickt...

    Es ist ein grundsolider Krimi, der unter dem Titel "Ein wahres Verbrechen" ab dem 29. April in die deutschen Kinos kommt. Produziert und inszeniert hat ihn der bald 69jährige Clint Eastwood, fast schon ein Hollywood-Denkmal. "Old Clint" hat einmal mehr auch die Hauptrolle in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andrew Klavan inne. Das allerdings hätte der Star so vieler Streifen und Jazzfan diesmal besser bleiben lassen. Denn auch die treuesten Fans Eastwoods werden ihre liebe Mühe haben, dem noch immer fit wirkenden, aber von den Spuren der vielen Lebensjahre auch gezeichneten Kinoidol den notorischen Herzensbrecher abzunehmen.

    Gerade als den präsentiert sich Eastwood in diesem Film jedoch in ungewohnt aufdringlicher Weise. Gewiß wird der prominente Star im Privatleben noch jede Menge Chancen auch bei ganz jungen schönen Frauen haben. Aber die in so vielerlei Hinsicht gescheiterte Existenz, die Eastwood in "Ein wahres Verbrechen" verkörpert, hat keinen jener erotischen Vorzüge Geld, Prominenz und Macht, die auch zerknitterte ältere Herren für Frauen um und unter 30 anziehend zu machen pflegen. Hier verwechselt also Eastwood, etwas betriebsblind, Realität und Fiktion, was dem über zweistündigen Streifen ein Glaubwürdigkeitsproblem beschert.

    Weniger gelungen ist es auch, daß der Film sich nicht klarer darauf beschränkt, eine spannende Geschichte spannend-lakonisch zu erzählen. Immer wieder gibt es nämlich Abschweifungen, die zu Tempoverlusten führen. Doch offenbar hat Eastwood seit seinem Oscar-Gewinn vor einigen Jahren größere Ambitionen, als nur harte Action zu inszenieren. Vielleicht ist das der Grund, warum "Ein wahres Verbrechen" in den USA kaum Kasse machte und wohl auch hierzulande kein Kinohit zu werden verspricht. Eigentlich schade, weil es immer noch Spaß macht, dieses Urgestein namens Clint Eastwood bei der Arbeit zu betrachten. Er wird uns einmal sehr fehlen.

    Wolfgang Hübner, AP - Foto: AP

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