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  • Kritik: Skurriles Großstadtmärchen

    In der DDR war Bruno Chirurg. Doch weil er es mit den staatsbürgerlichen Pflichten nicht so genau nahm, wurde er von seinem Posten verbannt. Nun ist er 50 und Busfahrer. Doch auch den Job verliert er. Eine Frau muss her, meint seine Mutter, und schickt ihn zu einer Vermittlungsagentur.

    Pech nur, dass die so gar nicht seriös ist, sondern zum Bordell von Oswald gehört. "Das läuft wie beim Autohandel, der Kunde zahlt bar, und das Kraftfahrzeug geht vom Autohof", versichert man Bruno in dem ziemlich heruntergekommenen Etablissement.

    Doch so geschmiert läuft der Deal mit dem neuen Glück ganz und gar nicht, wie der sympathische Loser feststellen muss, der Blumen pflückt, ein Küken pflegt und ein großes Herz hat. Ein bisschen Roadmovie, ein bisschen Großstadtmärchen und noch mehr Liebesgeschichte: Pepe Planitzer, 1969 in Berlin geboren, bringt mit seinem Kinodebüt "Ein Schiff wird kommen" einen liebenswerten Film auf die Leinwand.

    Bruno, Anita und der Junge im Koffer

    Anita (Christina Große), für die Bruno (Karl Kranzkowski) 5000 Euro hinblättert, sollte eigentlich gar nicht verkauft werden. Ein Missverständnis, versichert Zuhälter Oswald (Paul Faßnacht). Denn die junge Frau schmuggelt eigentlich Kinder von Prag nach Deutschland. Dieses Mal hat sie einen kleinen vietnamesischen Jungen (Duc Vu Trung) im Koffer und soll nun nach dem Willen Oswalds die Schulden ihres Freundes in seinem Puff abarbeiten. Doch Bruno besteht auf seinem Kauf, und bald wächst ihm nicht nur Anita, sondern auch der kleine Junge ans Herz. Zu dritt müssen sie nun die Ganoven und später auch die Polizei abschütteln.

    Irgendwie alles sympathische Verlierertypen

    Das hört sich an wie ein Sozialdrama - ist aber keines. Denn Planitzer, der unter dem Pseudonym F. O. Spoonman auch das Buch schrieb, erzählt die Geschichte mit so viel Witz und Skurrilität, dass sie nicht in Kitsch und Moral abgleitet. Wirklich entscheidend ist die Story ohnehin nicht, denn es sind vor allem die Figuren, durch die der Streifen lebt: irgendwie alles sympathische Verlierertypen, selbst der Puffvater, die beiden jugendlichen tollpatschigen Drogendealer und die junge Frau, die für Geld ein betäubtes Kind im Gepäckraum eines Busses über die Grenze schmuggelt.

    Museums-Panzer versetzt Hauptstadt in Aufruhr

    Das Ganze garniert der Filmemacher mit einigen skurrilen Regieeinfällen: Der alt-kommunistische Vater Brunos versetzt mit einem aus dem Museum geklauten Panzer aus DDR-Zeiten und ein paar Kumpels in Kampfuniform die Hauptstadt in Aufruhr. Und Bruno trabt mit einem gestohlenen Zirkuspferd, das Kokainpäckchen frisst und zufällig in seine Hände gerät, durch Berlin. Und ganz wie im Märchen ist das schlaue Tier genau zur richtigen Stelle, wenn es gebraucht wird. Dazu kommen stimmungsvolle Bilder, die Planitzer oft in rötliches Licht taucht, und eine unaufdringliche, schöne Musik.

    Drei Bilder müssen hängenbleiben

    "Wenn von einem Film auf die Dauer drei Bilder in Erinnerung bleiben, dann war er es wert, gemacht worden zu sein", sagt der Regisseur. Das hat Planitzer geschafft, wenn auch etwas Straffung dem Film hier und da gut getan hätte, und er die Pferde-Einlage zuweilen überstrapaziert. Insgesamt ist ihm jedoch ein gelungenes Spielfilmdebüt geglückt, das allerdings wahrscheinlich besser ins Fernsehen als auf die große Leinwand passen würde.

    Nathalie Waehlisch, ddp

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