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  • Kritik: Skurriler Trash weit weg vom Original

    Wer kennt sie nicht, die beiden Lausbuben Max und Moritz, die in den Bildergeschichten von Wilhelm Busch manch bösen Schabernack veranstalten. Reichlich ungezogen sind auch die beiden Hamburger Kiezkinder, die in «Max und Moritz Reloaded» ihr Unwesen treiben. Mit dem 140 Jahre alten Original hat die Verfilmung des Regisseurs Thomas Frydetzki ansonsten herzlich wenig gemeinsam.

    Max (Willi Gerk) und Moritz (Kai Michael Müller) sind in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen und haben es faustdick hinter den Ohren. Während ihre Mutter Rita (Katy Karrenbauer, «Hinter Gittern») zwischen Vollrausch und Sexbekanntschaften pendelt, machen sich die Halbbrüder als Kleinkriminelle ein schönes Leben. Als die beiden allerdings mit Senatorentöchtern im Schlepptau ein Auto zu Schrott fahren, kann sie nicht einmal die engelsgleiche Sozialarbeiterin Paula (Franziska Petri) vor Strafe bewahren. Die Missetäter werden nach Thüringen in ein Erziehungslager zweier ehemaliger NVA-Soldaten abgeschoben - mit zweifelhaftem Erfolg.

    «Der Film ist eine Satire, aber alles andere als eine deutsche Komödie. Ich bin mir sicher, dass er bei manchen Moralwächtern für einen Aufschrei sorgen wird», sagt Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel über den Streifen. Er und Ostrock-Urgestein Toni Krahl (City) haben in der schrillen Anarcho-Komödie als schwule NVA- Soldaten ihren ersten großen Kinoauftritt. Auch aufs Singen verzichtet das Duo dabei nicht. Krumbiegel präsentiert mit «Zucht und Ordnung» und «Es war nicht alles schlecht» gar zwei neue Titel.

    Trotz gesanglicher Höchstleistungen und einer Fülle sozialistischen Ideenguts versagt das schwule NVA-Duo als Bootcamp- Erzieher total. Max und Moritz erfinden auch im «wilden Osten» reihenweise bitterböse Streiche. Erst der Lude Hanne - köstlich gespielt von einem kaum wieder zu erkennenden Ben Becker - gebietet dem Rowdytum Einhalt. Und auch im Film passen die Zeilen aus Wilhelm Buschs Werk: «Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!»

    Ein harmlos-lustiges Familienfilmchen ist «Max und Moritz Reloaded» nicht. Mit Gewalt im Allgemeinen und gegen Kinder im Besonderen haben Regisseur und Protagonisten ebenso wenig ein Problem wie mit Witzen über Schwule und Prostitution, Sozialismus und ostdeutsche Befindlichkeiten sowie Waffengewalt und sexuelle Handlungen Minderjähriger.

    Stellenweise wird der 87 Minuten lange Streifen fast zum Musical: Toni Krahl singt «Bummiland», Katy Karrenbauer eine Metal-Version von «House of the Rising Sun», Puffpapi Ben Becker «Kann den Liebe Sünde sein» und Franziska Petri eine eigene Version des Folkklassikers «Morning Has Broken».

    Nicht jeder Kinogänger wird den skurrilen und derben Mix gut oder gar lustig finden, der nach einem Drehbuch von Eckhard Theophil («Männerpension») entstanden ist. Das freche Werk ergibt nicht wirklich einen Sinn und ist mitunter ziemlich grausam - es ist aber auch erfrischend anders und oft richtig witzig. Wilhelm Busch zumindest hätte an dem Werk wahrscheinlich seine Freude: Der Autor und Zeichner, der in diesem Jahr 173 Jahre alt geworden wäre, war alles andere als ein Freund zaghafter Ausdrucksweisen.

    dpa

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