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  • Kritik: Skurrile Suche nach Ewigkeit

    Wie werde ich unsterblich? Diese Frage macht dem kleinen Sebastian gewaltig zu schaffen. Denn tot sein will er auf keinen Fall, wo doch das Fegefeuer auf ihn wartet.

    Fest glaubt der Junge, er müsse dafür sühnen, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist. Ungewöhnliche Gedanken für einen 11-Jährigen aus dem oberbayerischen Germeringen, der eigentlich ein rechter Lausbub ist und einen Unsinn nach dem anderen ausheckt. In seinem Kinodebüt «Wer früher stirbt, ist länger tot» hat Marcus Hausham Rosenmüller dieses Thema mit viel Fingerspitzengefühl, skurrilem Humor und derb- trockenem Wortwitz verarbeitet. Der Film rührt ebenso zu Tränen wie er zum Lachen reizt - eine erfrischende Komödie mit Tiefgang, die ein bisschen an die «Lausbubengeschichten» von Ludwig Thoma erinnert.

    Mischung aus schwarzer Filmkomödie, Bauerntheater und Skurrilität

    «Ich will, dass der Zuschauer mitlacht, mitweint, aber doch positiv übers Leben denkt und sich beschwingt fühlt», sagt Rosenmüller, der für seinen Streifen auf dem Münchner Filmfest den Förderpreis Deutscher Film bekam. Es ist diese Mischung aus schwarzer Filmkomödie, Bauerntheater und Skurrilität, die den Film so sehenswert macht. «Das Fantastische, Surrealistische gemischt mit einem traditionellen Volkstheaterhumor - ich mag guten Komödienstadl genauso wie (Karl) Valentin oder Luis Bunuel», erklärt er.

    Großen Anteil am Gelingen des Films hat Markus Krojer aus dem niederbayerischen Mainburg, der in seiner ersten Kinorolle mit Naivität und kindlicher Unverfrorenheit nach dem ewigen Leben sucht. Mit seinem Vater und dem großen Bruder wächst Sebastian im tiefsten Oberbayern auf, geprägt von bäuerlichem Leben, Traditionen und dem katholischen Glauben. Für den fantasiebegabten Jungen werden die Mythen und religiösen Bilder bald zur Realität. Jede Nacht sieht er über seinem Bett das Jüngste Gericht tagen, das ihn zum Fegefeuer verdammen will - fast bedrohlich ähnelt es den Männern, die in der Wirtschaft seines Vaters am Stammtisch sitzen und den frühreifen Buben mit gut gemeinten Ratschlägen verwirren.

    "Gschick, Grips und gscheiter Arsch!"

    Sebastian meint, er könne seine Schuld nur tilgen, wenn er eine neue Frau für seinen Vater (Fritz Karl - «Jennerwein») findet. Befeuert von den Tipps der Stammtisch-Männer («Eine mit Gschick, Grips und einem gscheitn Arsch!») will er seinen Vater erst mit der esoterisch angehauchten Nachbarin (Saskia Vester - «Grenzverkehr»), später mit der hübschen Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt - «Der Bulle von Tölz») verkuppeln. Und dann ist da noch Veronikas Mann Alfred (Jürgen Tonkel - «Sommersturm»), der Sebastian an die Musik und das Gitarrespielen heranführt, bei den Heiratsplänen aber im Wege steht und verschwinden muss.

    In sein ausgefallenes Werk hat Rosenmüller viele eigene Erfahrungen einfließen lassen. «Ganz so ein Lausbub war ich nicht, aber die Ansätze waren vorhanden», sagt der 33-Jährige, der am Tegernsee aufgewachsen ist und dort immer noch wohnt. Auch das schlechte Gewissen wegen seiner Streiche und die Angst vor dem Tod hätten ihn als Buben immer wieder geplagt: «Ich hatte oft das Gefühl, dass auf der Negativseite mehr war als auf der Positivseite.» Trotzdem sei Religion nicht als etwas Schlechtes zu sehen. «Es ist auch ein Halt und ein Leitfaden, damit man versucht was Gutes zu machen.»

    dpa

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