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  • Kritik: Skurrile Märchenkomödie mit Schwein

    Tiefe Blicke in schöne Hühneraugen und blutiges Schweingedärm gewährt eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die das Zeug hat, zu einer Kultromanze des Kino-Spätsommers zu werden.

    Denn «Emmas Glück», nach Claudia Schreibers Unterhaltungsroman-Bestseller von 2003 verfilmt von Sven Taddicken, gedeiht auf einem altmodischen Bauernhof in Hessen. Und wie die chaotische junge Landfrau (Jördis Triebel) und ein introvertierter, krebskranker Autohändler (Jürgen Vogel) für eine ihnen zugestandene Zeit zueinander finden, das gerät auch auf der Leinwand so gefühlvoll wie skurril, so wehmütig wie abgefahren, so poetisch wie manchmal derb in Ton und Tun.

    Der Berliner Regisseur Taddicken (31), der schon mit surrealen Kurzfilmen und der Behinderten-Komödie «Mein Bruder der Vampir» (2001) auf sich aufmerksam machte, überhöht gern die Wirklichkeit, um Aussagen zur Wahrheit zu machen. In der renommierten Ruth Toma («Solino», 2002; «Erbsen auf halb 6», 2004) fand er eine ihm entsprechende Drehbuchautorin. Ernsthaft, doch voller Ironie erzählen beide das moderne Märchen von der halsstarrigen Emma, die ihre Sehnsucht nach Emotion vorrangig im Umgang mit ihren Schweinen auslebt, die sie zärtlich schlachtet und zu Wurst verarbeitet. Und vom peniblen Max, den erst die Diagnose der tödlichen Krankheit Geld und einen Ferrari stehlen lässt - und der durch einen Unfall direkt vor Emmas Schlafzimmerfenster landet.

    Kraftvoll sensibles Spiel

    Realistische, dabei sehr ästhetische Bilder fangen das Geschehen auf dem Hof ein, den mal flirrende Sonnenstrahlen, mal ein bläulicher Mond in magisches Licht tauchen - das ist auch nötig, denn die Elektrizitätswerke haben der verschuldeten Emma den Strom abgestellt. Vor diesem Hintergrund entfalten die beiden ungemein präsenten Hauptdarsteller ihr kraftvoll sensibles Spiel. Als fulminante Leinwand-Entdeckung entpuppt sich die auf bodenständige Art anmutige Jördis Triebel (28): Auch bei herben Auftritten - einen Verehrer verscheucht sie mit der Flinte - vermag die angesehene Theaterschauspielerin Gefühl durchschimmern zu lassen. Sein Naturtalent beweist einmal mehr Kinostar Jürgen Vogel, der Existenzielles wie Liebe und Tod mit sparsamen Mitteln verdeutlicht. In Nebenrollen setzen Nina Petri, Martin Feifel und ganz besonders Hinnerk Schönemann Akzente.

    dpa

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