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  • Kritik: Skurrile Filmromanze

    Mit der östlichen Provinz Kanadas hat die subtile Filmromanze "NeuFundLand" von Georg Maas nichts zu tun, wohl aber mit den fünf neuen Ländern, in denen der Protagonist eine neue Heimat sucht. Maas erzählt bedächtig und völlig unspektakulär eine skurrile Liebesgeschichte, der die Hauptdarsteller Jochen Nickel und Anna Loos eine faszinierende Intensität verleihen.

    Der Feinmechaniker Robert (Jochen Nickel) will ein neues Leben anfangen, nachdem seine schwangere Frau Jule vor fünf Jahren bei einem Unfall getötet wurde. Von Köln aus geht er nach Sachsen, wo er seine Ersparnisse in Münzfernrohre investiert, die er an Aussichtspunkten aufstellt. Durch eines der Fernrohre sieht er eines Tages die blonde Christiane (Anna Loos), die der Verunglückten verblüffend ähnlich sieht. Robert spricht die fremde Frau an, die beiden kommen sich näher und verlieben sich.

    Er verrät ihr jedoch nicht den Auslöser seines Interesses. Aber auch Christiane hat ein Geheimnis: Sie bereitet einen Einbruch vor, um ihren Gasthof zurückzubekommen, um den sie in der Wendezeit betrogen wurde. Als sich die Beziehung vertieft, findet Christiane in Roberts Wohnwagen Jules Foto. Es kommt zum Eklat. Immerhin kann sich Robert bei seinem besten Freund Leo (Axel Prahl) hilfreiche Ratschläge holen.

    Die Unterschiede zwischen Ost und West spielen in "NeuFundLand" eher eine Nebenrolle. Als folgenreicher erweist sich, dass Robert weit stärker an der Vergangenheit klebt als ihm lieb ist. Innerlich muss er sich erst von der verlorenen Jule lösen, damit er in Christiane mehr als nur ihre Doppelgängerin sehen kann.

    Sensible Inszenierung mit geduldigem Blick

    Dass der Regisseur zuletzt verstärkt Dokumentarfilme gedreht hat, sieht man der sensiblen Inszenierung mit ihrem geduldigen Blick auf verlassene ostdeutsche Industrie-Landschaften an, für die Kamerafrau Sophie Maintignieux stilsichere Bildkompositionen entwirft. Faszinierend an dem Liebesmärchen, das sich mit einigen Zitaten vor dem großen französischen Vorbild "Am�lie" verbeugt, sind vor allem die lakonische Erzählweise, die Klarheit der dramatischen Struktur und das reizvolle Spiel um wechselnde Perspektiven, das die Suche der beiden Hauptfiguren nach dem Glück begleitet.

    Daher verzeiht man der Regie auch gern, dass man selbst im wilden Osten wohl kaum tagelang seinen Wohnwagen auf der grünen Wiese aufstellen kann, ohne je behelligt zu werden. Dies gilt auch für die überzogene Krimi-Nebenhandlung, deren Hintergründe weitgehend im Dunklen bleiben. Für das Drehbuch gewannen Maas und sein Ko-Autor Christoph Tölle 2003 den Geneva Europe Grand Prize der Europäischen Rundfunkunion.

    Reinhard Kleber, ddp

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