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  • Kritik: Singletons Neuauflage von "Shaft" mit Samuel L. Jackson

    Vor knapp 30 Jahren erschien der Polizist John Shaft erstmals auf der Leinwand und machte auf Anhieb Furore. So einen hatte das Publikum noch nicht gesehen: schwarz, cool, sexy, dazu verdammt hart im Austeilen. Und das alles zu der faszinierend eingängigen Musik von Isaac Hayes, der dafür mit Preisen überschüttet wurde.

    Irgendwann gräbt Hollywood alle seine früheren Erfolge einmal wieder aus, so nun auch im Falle des am 26. Oktober in die Kinos kommenden Films "Shaft". Allerdings wird die Titelfigur nicht mehr von dem in die Jahre gekommenen Richard Roundtree, sondern dieses Mal von Samuel L. Jackson verkörpert.

    Und der Regisseur, der zugleich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, ist in der Neuauflage des Sensationserfolgs von 1971 nun John Singleton, einer der begabtesten afro-amerikanischen Filmemacher der Gegenwart. Singleton präsentiert eine äußerst gewalttätige, oft genug auch brutale, stets unterhaltsame Geschichte um den New Yorker Detective, der in seinen Methoden nicht wählerisch ist. Aber er muss sich ja auch in einem gnadenlosen Großstadt-Dschungel behaupten. Shafts Gegenspieler ist ein ebenso smarter wie fieser Millionärssohn, der einen schwarzen Studenten auf dem Gewissen hat.

    Aber wer viel Geld hat, kommt in den USA nicht mit derselben Gewissheit hinter Gittern wie derjenige, der keines hat. Der Brite Christian Bale spielt diesen Bösewicht Walter Wade mit makelloser Abgefeimtheit. Shaft hat sich in den Kopf gesetzt, Wade büßen zu lassen. Mit im Spiel ist auch der dominikanische Drogen-Boss Peoples Hernandez, der mit Wade ins Geschäft kommt und bald auch noch ganz persönliche Rachegefühle an Shaft kühlen möchte. Es ist klar, dass bei dieser Konstellation viel geflucht, geballert und gestorben wird. Die Sprache in dem Film ist unglaublich gewalttätig, die Wohnungen erinnern an schäbig möblierte Höhlen, die Figuren laufen perspektivlos in Hamsterrädern der Gewalt und des Verderbens.

    Glaubt man der Botschaft des Films - und fast alle seine Mitwirkenden sind dunkler Hautfarbe -, dann hat der Rassenkonflikt in den USA allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz nichts von seiner Brisanz verloren. Der von Jackson solide, aber nicht charismatisch dargestellte Shaft bewegt sich zwischen den Fronten des von Weißen dominierten Repressionsapparates und dem Sumpf aus Verbrechen, Drogen und Ausbeutung, dessen Hauptakteure Farbige sind. Wenn Shaft aus Wut und Enttäuschung über die Ignoranz der Justiz seine Polizeimarke wegschleudert und ruft: "Ich kündige!", macht sich das im Kino gut. In der Realität wäre es allerdings sehr viel problematischer.

    Auffällig gering ist der Anteil von Erotik in dem Film, eigentlich wird sie ganz ausgeblendet. Shaft alias Jackson ist ein harter Hund, ein schwarzes Sexsymbol wie der von Roundtree in der ersten Version 1971 dargestellte Polizist ist er nicht und soll er auch wohl nicht sein. Roundtree selbst spielt nur eine winzige Rolle in dem Streifen. Neben dem brillanten Auftritt von Jeffrey Wright als Drogenboss Hernandez fasziniert abermals die Musik. Komponist Hayes variiert das berühmt vibrierende, alarmartig und zugleich melodiöse Grundmotiv, das dramaturgisch geschickt eingesetzt wird. Ohne Wrights Darstellung und die Musik von Hayes wäre Singletons Film wesentlich unattraktiver.

    Wolfgang Hübner, AP

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