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  • Kritik: Single in der Selbstmitleids-Krise:

    Darf man mit jemandem befreundet sein, dessen Plattensammlung vor allem aus Stevie-Wonder-Alben besteht? Rob Gordon (John Cusack) betreibt in Chicago den Szene-Plattenladen "Championship Vinyl", und solche Fragen gehören zum Berufsalltag des Endzwanzigers.

    Doch eines Tages erlebt Rob ein jähes Erwachen: Seine langjährige Freundin Laura (Iben Hjejle) hat ihre Koffer gepackt und ist zu einem anderen gezogen. Zwar findet sich Rob in seinem Single- Dasein zunächst zurecht, doch bald muss er feststellen: Die Leichtigkeit des Daseins ist erstmals dahin.

    In Stephen Frears' neuem Film "High Fidelity" nach dem gleichnamigen Bestseller des Briten Nick Hornby gerät die Suche von Rob nach der ewigen Liebe zu einer Lektion über die Bildung des Herzens in Zeiten des Pop. Zur Lösung seiner Existenzkrise greift Rob zu Altbekanntem: Er ordnet seine Plattensammlung und seine vergangenes Liebesleben. Von A wie Allison (Shanon Stillo) über C wie Charlie (Catherine Zeta-Jones) bis S wie Sarah (Lili Taylor) läßt er seine früheren Freundinnen aus College-Zeiten vor seinem inneren Auge vorbeiziehen. Einer Sache ist sich der tiefgekränkte Rob dabei sicher: Die entschwundene Laura wird es nie in die Top-Five seiner unvergesslichen Trennungen schaffen.

    Von Dauer ist diese Überzeugung nicht. Denn weder Robs Freund (Todd Lousio) noch sein Mitarbeiter Barry (Jack Black) können ihm aus seiner Selbstmitleids-Krise helfen. Auch die Bekanntschaft mit der wunderschönen Folksängerin Marie de Salle (Lisa Bonet) schafft kaum einen Ausblick. Erst ein zufälliges Treffen mit Laura bringt den Durchbruch. Nun weiss Rob: Er muss Laura wieder erobern, um Frieden mit sich selbst zu schließen.

    Mit "High Fidelity" hat Frears Nick Hornbys bitter-süße Geschichte über die alten Leiden des jungen Rob kongenial in Bilder umgesetzt. Zwar spielt der Film in Chicago und nicht wie das Buch in London. Doch dadurch büßt "High Fidelity" kaum etwas vom jenem subtilen britischen Humor ein, den Hornby als detailsbessener Chronist der Befindlichkeiten junger Menschen zur Jahrtausendwende immer wieder zwischen die Zeilen packt.

    Frears, der mit seinen früheren Werken wie "Mein wunderbarer Waschsalon" oder "Sammy und Rosie tun es" zu den Wegbereitern des New British Cinema gehört, hat in "High Fidelity" neben einer persönlichen Geschichte auch eine Milieustudie in Szene gesetzt. Dass Rob in den Clubs von Chicago und nicht in der Londoner Szene nach seinem Glück sucht, geht vor allem auf das Konto von John Cusack. Denn der Schauspieler, der mit "Being John Malcovich" einem größeren Publikum bekannt wurde, ist auch Coproduzent des Films - und stammt aus Chicago. "Ich kenne alle diese Ecken, die Clubs und sogar den Plattenladen, in dem der Film spielt."

    Damit Beleuchtung und Farbe stimmen, wurde der Laden detailgetreu im Studio wiederaufgebaut. Zwischen den alten Vinyl-Scheiben spielen die besten Szenen des Films, in dem John Black als chaotischer Plattenverkäufer zum eigentlichen Star avanciert. Anders als der zurückhaltende Cusack oder die solide Hauptdarstellerin Iben Hjelje ("Mifune") ist der anarchische Black die eigentliche Seele des Films. Mit über 60 Songs ist "High Fidelity" vor allem auch ein Musikfilm, der Sound liefert den Kommentar zu den Bildern auf der Leinwand.

    Esteban Engel, dpa

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