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  • Kritik: "Sieben Jahre in Tibet":

    Köln (dpa) - Wer Hollywood-Darling Brad Pitt für eine Hauptrolle verpflichten kann, hält in der Regel schon so etwas wie eine Erfolgsgarantie in Händen. Für Jean-Jacques Annauds Abenteuer-Epos "Sieben Jahre in Tibet" gilt diese Faustregel aber nicht. Vier Wochen nach ihrem US-Kinostart hat die aufwendige Produktion erst gut 30 Millionen Dollar eingespielt. Zu viele Hypotheken lasten auf dem ambitionierten Film, der die 1939 fehlgeschlagene Himalaya-Expedition des Österreichers Heinrich Harrer und dessen darauf folgende Erfahrungen in Tibet nachzeichnet.

    Einerseits ist der Film frei von Sex und Erotik - für viele weibliche Brad-Pitt-Fans sicher eine herbe Enttäuschung. Andererseits hat der inzwischen 85jährige Harrer, an dessen Lebensgeschichte sich das Drehbuch orientiert, im vergangenen Mai seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP und der SS zugegeben, und damit in den USA eine heftige Diskussion über den Film entfacht.

    Da half es auch nicht, daß der Abenteurer Harrer, der sich seit seiner Zeit in Tibet für den Erhalt der tibetischen Kultur einsetzt, sein reines Gewissen betonte. Sogar die Tibetische Exilregierung nahm ihn offiziell in Schutz. Hintergrund für diesen ungewöhnlichen Schritt: Harrer hatte während des Zweiten Weltkriegs Asyl in der Stadt Lhasa erhalten und dem damals noch jungen Dalai Lama als Lehrer für Englisch und westliche Zivilisation gedient. In dieser Zeit habe er keinerlei Sympathien für die Ideologie der Nationalsozialisten geäußert, erklärte die Exilregierung.

    Brad Pitt stellt den Bergsteiger Harrer zunächst als unerträglichen Schnösel und Egoisten dar. Erst nach der gescheiterten Himalaya-Besteigung, die erzwungene Ruhepause im britischen Gefangenenlager in Indien und den harten Überlebenskampf auf der Flucht durchs Gebirge findet er langsam zu sich selbst.

    Für die Rolle mußte Pitt sich nicht nur einen struppigen Bart stehen lassen. Gemeinsam mit David Thewlis, der seinen Weggefährten Peter Aufschnaiter spielt, ging es vor Beginn der Dreharbeiten nach Österreich und Italien, wo die beiden zwei Wochen lang Unterricht von professionellen Bergsteigern bekamen. Außerdem legte sich Brad Pitt einen kräftigen Akzent zu, der für das amerikanische Kino-Publikum wohl österreichisch klingen soll.

    Als Aufschnaiter und Harrer schließlich die Flucht aus dem Gefangenenlager gelingt, beginnt für sie eine entbehrungsreiche Zeit. Nach einer zweijähriger Odyssee durch karge Landschaften und eisige Schneewüsten betreten sie zum ersten Mal die für Ausländer verbotene Stadt Lhasa. Erst Jahre später, als die chinesischen Kommunisten Tibet besetzen, kehrt Harrer zurück in seine alte Heimat.

    Um größte Authenzität bemüht, hat Regisseur Annaud ("Im Namen der Rose") die Schwester des richtigen Dalai Lama, Jetsun Pema, für den Film gewonnen. In "Sieben Jahre in Tibet" spielt sie ihre eigene Mutter. Schwieriger gestaltete sich dagegen der Transport von fast 100 tibetischen Mönchen aus einem Kloster in Indien an den Drehort. Denn die Kulissen für die alte Stadt Lhasa ließ der Erfolgsregisseur in den argentinischen Ausläufern der Anden errichten, wo die buddhistischen Mönche in ihren traditionellen Gewändern für einiges Aufsehen unter den Einheimischen sorgten.

    Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa

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