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  • Kritik: "Shine"-Pianist Helfgott erntet live nicht nur Applaus

    New York (dpa) - Der Run auf Karten in Amerikas exklusivsten Konzertsälen könnte kaum dramatischer sein, wenn Vladimir Horovitz von den Toten auferstünde: Der australische Pianist David Helfgott, dessen Leben im sensationell erfolgreichen Film "Shine" Thema ist, unternimmt gegenwärtig eine 30tägige Tournee durch Nordamerika. Aber der frenetische Jubel des Publikums und die bitteren Bemerkungen der Kritiker liegen so weit auseinander wie wohl selten zuvor in der Musikgeschichte.

    Der Streifen, der in dieser Woche in Deutschland anläuft und dort von der Jury der Evangelischen Filmarbeit just zum Film des Monats März gekürt wurde, zeigt die Lebensgeschichte des geisteskranken Pianisten. Im Film machen es ihm seine Musik und die Liebe einer Frau schließlich möglich, sich zumindest teilweise aus den Fesseln seiner Krankheit zu befreien. Offen bleibt, ober er das jemals wirklich geschafft hat oder schaffen kann.

    Die Entscheidung kann auch niemand treffen, der ihn auf dem Podium sieht. Das Publikum möchte offenbar vor allem erleben, ob und auf welche Weise ein Künstler unter derart schwierigen psychischen Voraussetzungen ein Konzert durchstehen kann. Jeder Gesichtsausdruck, jede seiner Körperhaltungen wird in der Pause und anschließend endlos diskutiert.

    Es gibt inzwischen beträchtliche Kritik daran, daß der 49jährige Helfgott überhaupt auf eine derartig anstrengende Konzertreise durch einen weit entfernten Kontinent geschickt wird. Seine Frau Gillian, 16 Jahre älter als er und im Hauptberuf Astrologin, beruft sich bei ihrer Entscheidung vor allem auf die Befragung der Sterne. Auf dem langen Flug von Australien nach Amerika sei ausgerechnet "Shine" gezeigt worden, sagte sie bei einer Pressekonferenz in Boston: "Als der Film zu Ende war, hat David geklatscht und gesagt, er wolle ihn nochmal sehen."

    Filmregisseur Scott Hicks war 1986 in Adelaide in ein Konzert von Helfgott geraten, der damals schon in seinem Heimatland als "verrücktes Genie" vermarktet wurde. Er brauchte zehn Jahre, um den Film zu machen, der den nach Hollywood-Begriffen lächerlichen Betrag von 7,5 Millionen Mark (4,5 Millionen Dollar) an Herstellungskosten erforderte und bereits das Fünffache einspielte.

    "Shine" ist inzwischen als einer von fünf Beiträgen für den "Oscar" als bester Film nominiert worden, Hicks als bester Regisseur. Geoffrey Rush, bis zum letzten Jahr nördlich des Äquators ein Nobody und in Australien 23 Jahre lang Bühnendarsteller seltsamer Typen, gilt als heißester "Oscar"-Favorit. Der deutsche Schauspieler Armin Mueller-Stahl,als Darsteller des Helfgott-Vaters jetzt "Oscar"- Kandidat für eine Nebenrolle, hätte fast das Scheitern des Films verursacht: Die britische Fernsehgesellschaft BBC nahm ihre Zusage für eine Beteiligung zurück, weil sie lieber einen englischen Schauspieler gehabt hätte.

    Nur ein winziger Bruchteil der amerikanischen Kinogänger hat Gelegenheit, Helfgott bei seiner gegenwärtigen Tournee zu erleben. Die Musikkritiker winden sich zwischen Mitgefühl und Ärger über die offensichtlichen Unzulänglichkeiten. In der "New York Times" hieß es sogar, der Pianist scheine reduziert auf eine Marketing-Rolle für dem Film wie einst die kleinen Plastik-Dinosaurier für "Jurassic Park".

    Von Helmut Räther, dpa

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