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  • Kritik: Sherry Hormanns mißglückte Tragikomödie "Widows"

    Frankfurt/Main (AP) Drei Freundinnen in München. Eine gepflegt frustriert, eine unentwegt mannstoll, eine gepeinigtes Hausmütterchen. Was wünschen sich solche Zeitgenossinnen vom Leben? Tolle Männer natürlich! Und was blockiert die Erfüllung ihrer Träume? Die lästigen eigenen Gatten! Was liegt also näher, als jene saufenden, hurenden, selbstgefälligen und dazu noch lendenschwachen Lebengefährten einfach ins Jenseits, sich selbst aber endlich ins volle Frauenleben zu befördern.

    Aber was die deutsch-amerikanische Regisseurin Sherry Hormann und ihre australische Drehbuchautorin Kit Hopkins in dem am 22. Januar startenden Film "Widows - Erst die Ehe, dann das Vergnügen" zu zeigen wagen, ist nicht die vollmundig angekündigte Tragikomödie, sondern schlicht ein filmisches Trauerspiel. Es bewegt den Zuschauer weder zum Lachen noch zum Weinen, sondern lediglich zum Ausgang. Was das Team der Erfolgskomödie "Irren ist männlich" in diesem Film an Pseudoproblemen, Billigpsychologie und Albernkeiten zumutet, veranlaßt frei nach Obelix zu dem Seufzer: Die spinnen, die Münchner!

    Hormann und Hopkins mögen sich vieles vorgestellt haben: Es ist total danebengegangen und beschert dem deutschen Film einen miserablen Kinoauftakt ins neue Jahr 1998. Das ist umso bedauerlicher, weil auf der Besetzungliste des Films eine ganze Reihe verheißungsvoller Namen stehen: Die drei Witwen werden gespielt von der anziehenden Katja Flint, dem italienienschen Vollweib Ornella Muti und der kernig-sensiblen Eva Matthes. Als ihre mehr oder weniger lästigen Ehepartner werden Grandseigneur Martin Benrath, der einmal mehr das Ekel gebende Uwe Ochsenknecht sowie der smarte Tulpen-Macho Huub Stapel aufgeboten.

    Heino Ferch muß den Potenzprotz mimen, die schrille Gruschenka Stevens das blonde Dummerchen. Was der jederzeit absehbare, dabei völlig humorfreie Handlungswirrsinn mit einer "schwarzen Komödie über die dunkelsten und geheimsten Träume der Frauen" oder einem "Balanceakt" zwischen Weinen und Lachen zu tun haben soll, bleibt das intime Geheimnis der Filmemacher. Daß "Widows" zwar in München spielt, aber sich völlig fern von den Realitäten hält, kann man dem Streifen nicht vorwerfen, weil das im aktuellen deutschen Film ein fast chronisches Übel darstellt.

    Es ist indessen kaum zu glauben, daß dieser schlichtweg peinliche Film von zwei gewiß intelligenten, modernen Frauen geschrieben und inszeniert wurde. Zum Beispiel wird die gereifte, bemerkenswert busengeliftete Muti so platt als nymphomanes Dummerchen präsentiert wie es längst kein Mann auf dem Regiestuhl mehr wagen würde. "Widows" ist Opas Kino unseligen Angedenkens - Kino, wie es keiner mag und keiner braucht.

    Die Produzenten werden von Glück sagen können, wenn sie ob dieses Ausrutschers nicht von einer Interessengemeinschaft realexistierender Münchner Witwen zur Schmerzensgeldzahlung verklagt werden. Verdient hätten sie sich das eigentlich. Noch im letzten Jahr hatte Helmut Dietls satirisches Meldodram "Rossini" der vor Eitelkeit und Selbstüberschätzung fast platzenden Münchner Filmszene einen unnachsichtigen Spiegel vorgehalten. Wer das für übertrieben hielt, muß sich nach dem Verlassen von "Widows" schleunigst korrigieren.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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