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  • Kritik: Sharon Stone als Gangsterbraut

    Eigentlich hat "Gloria" alles, was zu einem guten Gangsterfilm gehört: eine schöne Blondine, einen smarten Gangsterboss, Verfolgungsjagden mit amerikanischen Limousinen, billige Hotelzimmer und eine Schießerei in einer Tiefgarage.

    Dass "Gloria" trotzdem ein ziemlich langweiliger Film ist, liegt zum einen daran, dass Regie-Altmeister Sidney Lumet und seinem Drehbuchschreiber wenig Originelles neben den erwähnten Klischees eingefallen ist. Zum anderen gelingt es Hauptdarstellerin Sharon Stone als Gloria leider nicht, schauspielerisch zu überzeugen. Offensichtlich sind ihr die Fußstapfen von Gena Rowlands ein paar Nummern zu groß.

    "Gloria" ist ein weiteres Remake aus Hollywood. Als der Originalfilm von John Cassavetes 1980 in die Kinos kam, hatte sein Star Gena Rowlands Maßstäbe gesetzt. Sie verkörperte damals die Rolle der Gloria perfekt. Für ihre Darstellung der abgebrühten Gangsterbraut auf der Flucht kreuz und quer durch New York wurde sie mit einer Oscar-Nominierung belohnt. Diese Ehre dürfte Sharon Stone wohl nicht zuteil werden.

    Inhaltlich hat sich in der Neuverfilmung nur wenig geändert. Gloria, eine in die Jahre kommende Gespielin eines Halbwelt-Bosses, beschließt - zunächst gegen ihren Willen - den siebenjährigen Nicky (Jean-Luke Figueroa) vor dem sicheren Tod zu beschützen. Gangsterboss Kevin (Jeremy Northam) hat Nickys gesamte Familie erschießen lassen, weil ihm dessen Vater eine Diskette mit wichtigen Informationen gestohlen hat. Dem Vater gelingt es jedoch in letzter Sekunde, seinem Sprössling den Datenträger in die Hand zu drücken und zur Flucht zu verhelfen.

    Leider wird der Kleine aber doch noch geschnappt, nicht wissend, dass außer ihm niemand mehr von seiner Familie am Leben ist. Während Kevin und seine Männer überlegen, wie sie Nicky am einfachsten aus dem Weg räumen können, kreuzen sich die Wege des Jungen und der Ex-Hure. Spontan beschließt Gloria, den Kleinen zu retten.

    Wie sein 20 Jahre altes Vorbild soll auch in der aktuellen Verfilmung die Spannung aus der gemeinsamen Flucht des ungleichen Paares und ihrer langsam aufkeimenden Zuneigung entstehen. Bei Gena Rowlands genügte es, wenn sie einen tiefen Zug an einer ihrer überlangen Zigaretten nahm, und es war klar, dass diese Frau im Zweifelsfall mehr mit einem Außerirdischen anzufangen wüsste als mit einem Kind. Sharon Stone muss da schon stärkere Geschütze auffahren. Ständig stakst sie laut meckernd in ihrem Mikro-Mini auf überhöhten Absätzen durch die Gegend. Sie legt ein betont grimmiges Gesicht auf und versucht, möglichst taff dreinzublicken. Mit ihrer perfekt gestylten Dauerwelle wirkt sie aber nur wie eine höhere Tochter, die krampfhaft versucht, wie eine abgebrühte New Yorkerin aufzutreten.

    Während Stone die harte Lady markiert, besticht der kleine Jean-Luke durch sein ausdrucksloses Mienenspiel. Egal, ob er erfährt, dass gerade seine komplette Familie ausgelöscht wurde oder er mal wieder um Haaresbreite den Verfolgern entronnen ist: Immer schaut er gleich drein. Stimmung kommt zwischen der unfreiwilligen Ersatzmutter und ihrem Mündel jedenfalls nicht auf. So bleibt es dem Zuschauer verborgen, warum Gloria plötzlich mütterliche Gefühle für Nicky empfindet. Nachdem sie ihm etwa eröffnet hat, dass seine Familie tot ist, rät sie ihm schlicht: "Versuch' zu schlafen", was der Bub brav befolgt.

    Zwar bleibt das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller blass. Dafür sind die Nebenrollen gut besetzt. Der Brite Jeremy Northam, der schon als Bösewicht in "Das Netz" neben Sandra Bullock auffiel, spielt den Kevin als aalglatten Fiesling, dem man die Durchtriebenheit erst auf den zweiten Blick anmerkt. Und Cathy Moriarty, die als Edelhure Diane eine alte Kollegin Glorias mimt, deutet mit ihrem Kurzauftritt an, daß sie in der Rolle der Gloria wesentlich authentischer gewirkt hätte als die glamouröse Sharon Stone. Sidney Lumet konnte immerhin Kameramann David Watkin engagieren, der für seine Arbeit in "Jenseits von Afrika" einen Oscar bekommen hat. So können sich wenigstens New-York-Liebhaber an seinen Aufnahmen erfreuen.

    Claudia Meichelbeck, AP

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