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    Kritik: Shakespeare weiter auf Zeitreise

    Hamburg (dpa) - In Windeseile prescht William Shakespeare durch die Jahrhunderte - das Kino schickt die Stücke des großen Dichters in diesem Jahr auf Zeitreise. Die flugs zum Kultstreifen avancierte Adaption von "Romeo und Julia" spielte in einer neonbeleuchteten Gegenwart. Mit dem am Donnerstag (3.4.) in den deutschen Lichtspielhäusern startenden Film "Was ihr wollt" landet Shakespeares zwischen 1600 und 1602 verfaßtes gleichnamige Theaterstück im ausgehenden 19. Jahrhundert. Anders als bei der im historischen Verona angesiedelten Tragödie "Romeo und Julia" liegt hier ein freier Umgang mit geschichtlichen Epochen näher. Denn "Was Ihr wollt" spielt im fiktiven zeitenthobenen Land "Illyrien".

    Trotzdem erreicht Regisseur Trevor Nunns Literaturverfilmung nicht die wilde Romantik von Baz Luhrmanns "Romeo Julia". "Was Ihr wollt" macht sich im viktorianischen Zeitalter schlecht, die skurrile Handlung des Werks benötigt im Film immer wieder einen Touch bunte elisabethanische Epoche. So schwankt der Streifen zwischen historischen Elementen und fast surrealen Szenen hin und her. Statt einer originellen Posse kommt ein in schönen Bildern schwelgendes Kostümstück ohne Substanz heraus.

    Ein Lichtblick dabei ist "Gandhi"-Star Ben Kingsley als weiser Narr Feste, der die Handlung kommentiert und die wunderbaren lyrischen Lieder aus der Komödie zum Besten gibt. Auch sonst wartet Nunn mit hervorragenden Schauspielern auf. Englands Kinoprinzessin Helena Bonham Carter spielt die schöne Olivia, um die Herzog Orsino vergeblich wirbt, Imogen Stubbs ("Sinn und Sinnlichkeit") die mutige Viola, die nach einem Schiffbruch als Page verkleidet Orsino als Liebesbote dient. Der Engländer Nigel Hawthorne, der im Vorjahr in "King George - Ein Königreich für mehr Verstand" als verrückter Monarch brillierte, verkörpert Olivias tragikomischen Haushofmeister Malvolio.

    Bis in die Nebenrollen hinein machen alle ihre Sache gut, doch fehlt dem Film die zündende Idee. Er bleibt eine nette Umsetzung des Bühnenstücks. Schade, denn gerade das Verwirrspiel um Olivias Liebe zu der als Mann verkleideten Viola und Violas innige Beziehung zu Orsino, die durch die Maskierung nicht über eine Männerfreundschaft hinausgeht, paßt blendend in das zur Zeit allgegenwärtige Thema der Androgynität. So wird wohl "Was ihr wollt", anders als "Romeo Julia" oder Kenneth Branaghs "Viel Lärm um Nichts" kein Meilenstein der Literaturverfilmung, sondern reiht sich brav in die Endlos-Liste der Shakespeare-Versionen, die seit Jahrzehnten über die Leinwände flimmern.

    Von Stefanie Schütte, dpa

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