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  • Kritik: Sexy und dramatisch

    Dass ein Mann wie Woody Allen auch mit 70 Jahren und nach über 40 Filmen das Publikum überraschen kann, spricht für seine Sonderklasse. Erstmals hat der Regisseur in London gedreht. Und das Umfeld an der Themse hat ihn dabei mindestens ebenso beflügelt wie seine neue Muse Scarlett Johansson: «Match Point» ist kein typischer intellektueller «Woody-Allen-Film», aber sein bestes Werk seit langem und so sexy wie noch nie.

    Allen huldigt der umwerfenden Sinnlichkeit des 21 Jahre jungen Stars Johansson und wirft dabei alle neurotischen Selbstbezüge vergangener Zeiten über Bord. Als einzige amerikanische Schauspielerin in einer sonst rein britischen Besetzung spielt Johansson eine Rolle, die ihr auf den Leib geschrieben ist: Sie ist die Frau für die Lust, nicht für die Ehe - und der Sprengsatz in der Geschichte eines sozialen Aufsteigers. Es geht um Ehrgeiz und Moral, Sex und Sünde, um Verantwortung und die alles entscheidenden Zufälle des Schicksals.

    Kein Zufall ist es auch, dass der junge Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) das Buch «Schuld und Sühne» von Dostojewski liest. Woody Allen erzählt Wiltons gesellschaftliche Karriere im Stil der klassischen Gesellschaftsdramen des 19. Jahrhunderts, versetzt sie aber packend und trickreich in die britische Upper Class der Gegenwart.

    Jonathan Rhys-Meyers spielt diesen Tennislehrer aus kleinen Verhältnissen, der als Trainer in einem feinen Londoner Club die Chance seines Lebens erhält: Ein reicher Sohn bietet ihm seine Freundschaft an, dessen Schwester ihre Liebe. Chris wird gefördert, er strengt sich an, passt sich an, er verleugnet sich. Und innerhalb kurzer Zeit ist er als Schwiegersohn in der Familie akzeptiert. Doch dieses Leben ist zu wohl erzogen, zu eingeschränkt.

    Große Gefühle erleben diese Menschen nur in der Oper. In ihren Logen über die Bühne erhoben, blicken sie ergriffen auf Schicksalsmomente und Liebeswahn herab. Nur Chris befindet sich mitten drin. Denn Leidenschaft und Drama findet er in einer wilden, ehrlichen Liebesaffäre mit Nola (Johansson), einem erfolglosen amerikanischen Starlet in London. Als Nola schwanger wird, scheint alles gefährdet. Chris muss handeln.

    Wie beim Netzroller im Tennis-Match entscheidet zuletzt ein winziges Momentchen über Triumph oder Niederlage. Meisterlich inszeniert Woody Allen ein großartiges, schicksalhaftes Finale: Spiel, Satz und Sieg für den schüchternen, kleinen Mann aus Manhattan, der sich selbst so gern als Verlierertyp charakterisiert.

    «Es war so wunderbar, in London zu arbeiten», schwärmte der amerikanische Regisseur im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes, wo «Match Point» außer Konkurrenz lief und von Kritik und Publikum gefeiert wurde. «In Manhattan ist es im Sommer heiß, und die Sonne bringt mich um. In London ist es kühl, der Himmel ist grau - einfach perfekt für mich.» So ist es kein Wunder, dass er schon den nächsten Film in London vorbereitet: Wieder mit Scarlett Johansson vor der Kamera, deren natürlicher Sex-Appeal ihn offenbar seine Neurosen vergessen lässt.

    dpa

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