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  • Kritik: Sex Crime im Rotkäppchenwald

    Der dunkle Wald als Stoff, aus dem Albträume sind, und als Gegenentwurf zur Sicherheit der Zivilisation - daraus wurde zuletzt mit "Blair Witch Project" ein ebenso billig produzierter wie erfolgreicher Thriller. Mit dem gleichen Motiv will der französische Regisseur Lionel Delplanque in seinem ersten langen Spielfilm "Deep in the Woods - Allein mit der Angst" Schrecken verbreiten.

    Fünf junge Schauspieler führen im Auftrag eines exzentrischen Barons in dessen abgelegenem Schloss "Rotkäppchen" auf und wagen sich nachts in den Wald, in dem ein Vergewaltiger und Mörder umgeht.

    Ansprechende, glatte Bilder

    Bestechend an "Blair Witch Project" war das minimalistische Konzept. Die Idee, den gesamten Film als Studentenvideo auszugeben, machte aufwendiges Produktionsdesign, kunstvolle Kameraführung und Schnitttechnik verzichtbar. Zudem entstand der Schrecken alleine aus der Erwartung, dass etwas Schlimmes passiert, ohne dass es gezeigt werden musste. Delplanque wird dagegen ganz deutlich, um Spannung zu erzeugen. Was den Protagonisten wiederfährt, wird gezeigt: mit Säure verätzt, stranguliert mit einer Drahtschlinge, lebendig verbrannt...

    Kameramann Denis Rouden liefert durchaus ansprechende, glatte Bilder, die weitaus besser sind als das Drehbuch von Annabelle Perrichon, jedoch häufig manieriert wirken. Sehr viele Zwischenschnitte mit Detailaufnahmen - die Reisetasche, das Messer, die Nagelpistole - stoßen den Zuschauer darauf, dass diese Gegenstände bald eine grausige Bedeutung bekommen. Schöne Bilder gibt es auch von den betont schlanken, leicht bekleideten und damit verletzlicher wirkenden schönen Menschen, die sehr schlicht entwickelte Charaktere zu spielen haben.

    Per FSK 18 die Zielgruppe ausgeschlossen

    Die Morde als Strafe für sexuelle Abweichungen? Der Film verbindet jedenfalls sehr aufdringlich Sex- und Todesmotive. Die Rotkäppchen-Aufführung sieht nach "Schulmädchen-Report" aus, das lesbische Pärchen wird von einem Voyeur im Bett fotografiert, der alte Baron lockt den androgyn dargestellten Wilfried in sein Schlafzimmer, und mit letzterem betrügt Jeanne im Wald ihre Freundin Sophie.

    Als "Scream" auf Französisch" wurde "Deep in the Woods" beworben, als er im Juni vergangenen Jahres in Frankreich anlief. "Bemitleidenswert", urteilte die Tageszeitung "Liberation" damals über den Abklatsch des amerikanischen Teenie-Films. "Scream" habe das Horror-Genre entstaubt, aber "Lionel Delplanque erspart uns weder das Spukschloss noch den finsteren Wald", schrieb das Blatt. Mit der FSK-Altersfreigabe ab 18 ist in Deutschland die wahrscheinlich interessierteste Altersgruppe offiziell ausgeschlossen.

    Nina Lepsius, dpa

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