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  • Kritik: Sex als Anker in der Einsamkeit

    Mit ihrer Glanzleistung in "Sue - Eine Frau in New York" könnte Anna Thomson vom ewigen Geheimtip zur gefragten Charakterdarstellerin avancieren. Vom 10. September an ist sie in dem sozialpolitisch brisanten Werk des Regisseur Amos Kollek ("Für immer: Lulu") in unseren Kinos zu sehen.

    Die Filmographie von Anna Thomson ist nicht nur überraschend lang - für eine Schauspielerin, deren Name so wenig geläufig ist, sind darunter auch erstaunlich viele große Filme. So hatte sie beispielsweise als Hure in Clint Eastwoods "Erbarmungslos" den auffälligsten Auftritt in der Reihe ihrer zahlreichen Hollywood-Nebenrollen.

    Als Titelheldin in der Independent-Produktion "Sue" liefert die Schauspielerin nun ihr Meisterstück. Es ist ein Werk, das so zu charakterisieren wäre: "Der Film, in dem eine attraktive Frau einem alten Mann auf einer Parkbank ihre Brüste zeigt." Ein Szenenbild, das deshalb hängenbleibt, weil es das Innenleben dieser Frau so treffend widerspiegelt: Schiere Verzweiflung gepaart mit zweckfreier Großzügigkeit. Seit dem Verlust ihres Jobs gleitet Sue ihr von oberflächlichen sozialen Beziehungen geprägtes großstädtisches Leben mehr und mehr aus der Hand. Emotionale Defizite bekämpft sie mit Alkohol und One- Night-Stands.

    Sue findet keine Arbeit und kann ihre Miete nicht bezahlen. "Das einzige, was in ihrem Leben noch funktioniert, ist, irgendwo einen Mann abzuschleppen", sagte Anna Thomson über ihre Rolle. "In der amerikanischen Gesellschaft, die Mißerfolg als Stigma geißelt, werden Menschen schnell an den Rand gedrängt, wenn sie weniger kämpferisch sind als andere - insbesondere in den Großstädten", erzählt die Schauspielerin. "Ich habe mehr als die Hälfte meines Lebens in New York verbracht und gesehen, daß diese Menschen oft gar nichts falsch gemacht haben. Ein Schicksalsschlag wirft sie aus der Bahn, und sie erholen sich nicht wieder davon".

    Kolleks Film kommt ohne Schuldzuweisungen aus. Es gibt keine Bösewichte, nur Individuen, die alle nach ihren eigenen Bedürfnissen handeln - und sich gegenseitig verletzen. Die bei Sue daraus resultierenden Gefühlszustände und Reaktionen spielt sie mit fesselnder Intensität. Zum geschlechtsspezifischen Aspekt befragt, weist Thomson auf die zwiespältigen Errungenschaften der Frauenbewegung hin: "Viele Frauen haben sehr hart für ihre Karriere gearbeitet, nicht geheiratet, ihr Privatleben zurückgestellt, und wenn sie dann mit Ende dreißig merken, daß beruflicher Erfolg keine hundertprozentige Erfüllung bringt, fühlen sie sich leer und einsam."

    Als New Yorkerin hat die Hauptdarstellerin einen sehr persönlichen Bezug zu Sue. "Es ist das erste Mal, daß ich für einen Film ins Ausland reise, um ihn dort vorzustellen und zu sehen, wie er auf Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund wirkt", sagt sie. Trotz des großen Erfolgs auf verschiedenen Filmfestivals bezweifelt die Schauspielerin, daß das cineastische Kleinod bei ihren Landsleuten ein positives Echo finden wird: "Ich bin nicht sicher, ob Amerikaner damit zurechtkommen, wenn es kein Happy-End gibt."

    Silvia Seipel, dpa

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