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  • Kritik: Setzt ganz auf Alexandra Maria Lara

    Die ersten Einstellungen gehören den frisch Verliebten. Brindusa (Alexandra Maria Lara) und Stefan (Felix Klare) turteln Händchen haltend im winterlichen Bukarest. Die rumänische Dolmetscherin und der deutsche Ingenieur wollen heiraten.

    Doch der Zuschauer ahnt, dass etwas dazwischen kommen wird. Stefans Mutter (Katharina Thalbach) kennt Brindusa nur von einem Foto, ist aber gänzlich gegen die Verbindung. Was jedoch weit schwerer wiegt: Die junge Frau hat ein langjähriges Verhältnis mit ihrem Chef, dem Druckereibesitzer Iorga (Razvan Vasilescu), gerade beendet. Sie verheimlicht ihm die bevorstehende Heirat. Bis Stefan, der von dem Verhältnis weiß, den Chef mit dieser Tatsache konfrontiert. Von da an läuft alles aus dem Ruder.

    Regisseur Didi Danquart baut in seinem Film «Offset» eine Scheinidylle auf. Dabei zeichnet er nicht nur das Bild des jungen Paares, das sich seit gerade drei Monaten kennt. Er spielt natürlich auch gekonnt mit der Kulisse. Rumäniens Hauptstadt, die Straßen von Eis und Schnee bedeckt, die Fassaden der Häuser heruntergekommen: Es ist das in vielen Köpfen vorherrschende Osteuropa-Bild. Danquart aber lässt es nie vordergründig werden, sondern baut geschickt die Mosaiksteine vom Bukarester Alltag in seinen 109 Minuten langen Film ein, der schon auf dem Filmfestival in Rom die Zuschauer beeindruckte.

    Danquart geht es um die Charaktere. Deshalb lässt er die Gegensätze zum Teil heftig aufeinander prallen. So darf Katharina Thalbach als Mutter alle fiesen Schwiegermutter-Klischees Wirklichkeit werden lassen. Stefans Vater (Manfred Zapatka) gibt dazu den Oberlehrer-Typen. Schon Thalbachs Satz «Da ist unser Flughafen in Paderborn aber schöner» bei Ankunft in Bukarest zeigt die ganze Borniertheit von Stefans Familie.

    Vor allem aber geht es um Brindusa. Sie ist offenbar hin- und hergerissen: Einerseits verhält sich ihr Chef Angestellten, Geschäftspartnern und in erster Linie seiner Frau gegenüber wie ein Ekel, andererseits lässt er bei der jungen Frau seinen Charme spielen und überhäuft sie mit Blumen. Die Hochzeit mit Stefan erscheint für sie wie eine Flucht, steht nach der Heirat doch die endgültige Reise nach Deutschland an.

    Alexandra Maria Lara, die 1978 in Bukarest geboren wurde, zieht dabei alle Register. Ihr anfangs noch oft lachendes Gesicht, das im Laufe des Films immer häufiger ernste Züge annimmt, ist der Dreh- und Angelpunkt der Bilder. Wenn sie lacht, ist die Welt einfach in Ordnung. Weint sie, scheint der Himmel einzustürzen. Felix Klare hat es da nicht leicht. Manchmal wirkt er an der Seite seiner Filmpartnerin etwas schablonenhaft.

    Danquart lässt seinen Film in einer Art Showdown enden. Das kommt etwas überraschend und überzeugt auch nicht - die Konflikte bis dahin scheinen das einfach nicht herzugeben, nicht einmal die Situation, in der Iorga Stefan 100 000 Euro bietet, wenn er auf Brindusa verzichtet und allein nach Deutschland zurückkehrt. Am Ende steht keine Hochzeit, und Liebe war das zwischen Brindusa und Stefan wohl auch nicht. Es war nur die Suche nach einem anderen Leben, und sie geht weiter.

    Torsten Klaus, dpa

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