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  • Kritik: Serienmord kann komisch sein

    Kamera hält zumeist spöttisch Distanz

    Bei den Ermittlungen stieß man auf zwei weitere Männer, die plötzlich und unerwartet verstarben und ihr Vermögen der schwarzen Witwe hinterließen. Die mutmaßliche Serientäterin hat die Rechte an ihrer Geschichte Steven Spielberg angeboten und drohte den Produzenten des Films "Die Gottesanbeterin" mit einer Klage. Die erklären, dass sie sich von insgesamt acht Männermörderinnen der Kriminalgeschichte inspirieren ließen.

    Trotzdem weist "Die Gottesanbeterin" - benannt nach der räuberischen Fangheuschrecke - deutliche Parallelen zum Fall Blauensteiner auf. Auch Trixi Jancik, ebenfalls eine einst brave Hausfrau - setzt Medikamente in tödlicher Dosis ein, um an das Vermögen ihrer drei Ehemänner zu kommen, von denen sie zwei per Inserat kennen gelernt hat.

    Habgier ist es nicht allein, was die Hausfrau im fortgeschrittenen Alter plötzlich zur Mörderin macht. Trixi Jancik ist eine geplagte und gedemütigte Frau - eine Figur, die Christiane Hörbiger nach eigenen Worten "so böse, so ungefällig" kaum je zuvor dargestellt hat. Ihr ungeschminktes Gesicht zeigt Ekel, Verbitterung und stumme Verachtung für den unansehnlichen, grantelnden frühpensionierten Ehemann (Klaus Ofczarek).

    Nur heimlich kann sie sich hin und wieder davonschleichen. Mit Perücke und im feinen Kostüm verkleidet geht sie auf der Pferderennbahn ihrer Wettleidenschaft nach. Dort lebt sie ihren Traum von gesellschaftlichem Aufstieg und einem schönen Leben. Und plötzlich steht auch der erträumte Mann fürs Herz vor ihr: Der wohlhabende Unternehmer Ulrich Stein (Jan Niklas) hat weltläufigen Charme und vollendete Manieren.

    Zum letzten Auslöser des Tatentschlusses wird die Drohung ihres Ehemanns, er werde das ganze Ersparte mit einer sexuell gefügigen jungen Frau durchbringen. So muss er dahinscheiden, aber Trixi Jancik erbt nur 80.000 Mark. Über eine Kontaktanzeige sucht sie nach einem vermögenderen Mann mit Herzschwäche. Dumm ist nur, dass ihr verschlagener Nachbar Karli (Peter Faerber) die richtigen Vermutungen anstellt und sich sein Schweigen lukrativ belohnen lässt.

    Alle Geldsorgen wären vorbei, wenn die zweifache Witwe auch den nächsten Ehemann beerben würde. Das ist der extravagante Künstler Julius Quellenreich (Udo Kier), und sie könnte es auch länger mit ihm aushalten, wenn er sie nicht in Lack und Leder stecken und demütig um die Peitsche bitten würde.

    Die Steigerung von der schwarzen Komödie zur makabren Satire und Farce geht bis zu splatterfilmhaften Zerstückelung einer Leiche und endet in einer folgerichtigen Schlusspointe. Regisseur Paul Harather ("Indien") inszenierte das Treiben der Trixi Jancik mit sicherem Gespür für visuellen Humor und einigen verblüffenden Einfällen. Der Beste ist ganz am Anfang zu sehen: Da gehen Trixi und Siggi Jancik als Hochzeitspaar die Kirchentreppe herunter. Der Ring fällt in den Gully, und die Kamera folgt ihm in die Unterwelt und ins Meer und in die Bäuche von kleinen bis großen Fischen.

    Zu den Figuren hält die Kamera eine spöttische Distanz, hat aber ein paar irritierende Widerhaken eingebaut. So bleibt die Serienmörderin trotz gesteigerter Skrupellosigkeit und Bösartigkeit immer sympathisch, und die ekelhaften Männer haben auch etwas Bemitleidenswertes als Opfer ihrer Triebe. Vor allem Christiane Hörbiger gibt eine großartige Vorstellung, die allein den Kinobesuch lohnt.

    Inge Treichel, AP

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