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  • Kritik: Sensibel inszeniert: Neustart ins Leben

    Marco Kreuzpaintner wagt sich in seinem Langfilmdebüt "Ganz und gar" an ein schwieriges Thema: Wie findet ein verstümmelter Sonnyboy nach einem Unfall zurück ins Leben? Der 26-jährige Regisseur bewältigt die heikle Balance zwischen Euphorie und Depression, Melodramatik und Humor jedoch bravourös.

    Mit erstaunlichem Fingerspitzengefühl schildert er die schwierige Phase im Leben junger Menschen, in der aus Träumen Tatsachen, aber auch Albträume werden können.

    Der lebenslustige Torge, der bei Mädchen gut ankommt, lebt mit seinen Freunden Holger und Micha in den Tag hinein. Die Zeit der jugendlichen Unbekümmertheit nimmt jedoch ein jähes Ende, als Torge von einem Baugerüst fällt und einen Unterschenkel verliert.

    Verlust mit Zynismus und Großspurigkeit überspielt

    Der Draufgänger überspielt den Verlust mit Zynismus und Großspurigkeit. Dabei nimmt er wenig Rücksicht auf die Gefühle seiner Mitmenschen und setzt die Beziehung zur Clique einigen Belastungsproben aus. Eines Tages wettet er mit Micha um dessen Ex-Freundin Lisa, die sich geweigert hatte Micha zu heiraten. Tatsächlich verliebt sich die pragmatische Lisa in den Behinderten, doch dann lässt Micha die Wette auffliegen.

    Als Vorbild für seinen sensiblen und geradlinigen Inszenierungsstil nennt Kreuzpaintner, der zwei Jahre bei Regiealtmeister Edgar Reitz assistierte, die Tonart der skandinavischen Filmkomödie "Italienisch für Anfänger" von Lone Scherfig. In der Tat gelingen ihm wiederholt anrührende Momente, so bei der Schilderung von Torges Schwanken zwischen Verzweiflung und Selbstmitleid. Wenn die drei jungen Männer sich bei Biergelagen vergnügen oder sich zu riskanten Mutproben herausfordern, riskiert Kreuzpaintner aber auch mal ein paar Albernheiten.

    Marco Kreuzpaintner beweist sichere Hand bei Besetzung

    Bei der Auswahl der jungen Hauptdarsteller bewies der Regisseur eine sichere Hand. In der Rolle des Torge gewann David Rott beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2003 dann auch prompt den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller. Verdient hätte ihn auch Mira Bartuschek, die an seiner Seite als lebenskluge Lisa eine bemerkenswerte Leistung liefert.

    Straff aufgebautes Drehbuch von Maggie Peren

    Das straff aufgebaute Drehbuch lieferte Maggie Peren, die in einer soliden Nebenrolle zu sehen ist. Sie hat bereits die Skripts zu Vanessa Jopps viel gelobtem Debüt "Vergiss Amerika" und für den flotten Kinohit "Mädchen Mädchen" geschrieben und damit ein Händchen für die Jugend ansprechende Stoffe bewiesen, die von kommerziell gefällig bis künstlerisch ambitioniert reichen. Allerdings ist der Handlungsverlauf diesmal leicht vorhersehbar und das Happy End unnötig konventionell. Für einen Achtungserfolg beim jungen Publikum reichen die Qualitäten des Debüts aber allemal.

    Reinhard Kleber, ddp

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