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  • Kritik: "Senator" Beatty sieht schwarz

    Jay Bulworth ist ein US-Senator am Rande des Nervenzusammenbruchs. Seine staatsmännische Attitüde nützt ihm in der Endphase seines Wahlkampfs nicht mehr viel, und seine formelhaften Reden über Familienwerte sind auch nicht sehr überzeugend, zumal seine eigene Ehe nur noch Fassade ist.

    Bulworths Quoten rutschen in den Keller - kein Wunder, daß der Senator die Krise kriegt. Er findet sein Leben nur noch zum Heulen und sieht derart schwarz, daß er der Schmach des Verlierens den finalen Abgang vorzieht. So beginnt die Kinofarce "Bulworth" von und mit Warren Beatty, die am 15. Juli in die deutschen Kinos kommt.

    Der Senator schließt bei dem korrupten Versicherungslobbyisten Crocket (Paul Sorvino) eine millionenschwere Lebensversicherung zugunsten seiner Tochter ab und heuert für sich einen Killer an. Danach ist ihm der Wahlkampf absolut egal; Bulworth sagt ohne Rücksicht auf Verluste, was er wirklich denkt. Die versammelten Filmmogule müssen sich von ihm anhören, daß sie nur noch Profit im Kopf hätten und dafür nur Riesenmist produzierten.

    Eine schwarze Gemeinde schockiert er mit dem Geständnis, daß ihre Probleme für Politiker nur einen pittoresken, medienwirksamen Hintergrund lieferten, aber niemand ernsthaft an Veränderungen dächte. Ein Tumult bricht aus, und dabei lernt Bulworth die junge, wunderschöne Nina (Halle Berry) kennen, die ihm ein paar Grundwahrheiten über die Situation der Afroamerikaner sagt. Er engagiert sie und ihre Freundinnen, die Rapperinnen Cheryl und Tanya, als Wahlhelferinnen.

    Als er mit ihnen in eine Disco geht, tanzt er die ganze Nacht durch und entdeckt, daß ihm Rap gefällt, und seine auch drogenbedingte Hemmungslosigkeit fördert sein eigenes Talent für reimenden Sprechgesang zutage. Von nun an mischt der Senator Parteiversammlungen mit Rap-Einlagen auf, in denen er die Verlogenheit der Politik und Zusammenhänge zwischen Großkapital und Arbeitslosigkeit mit höchst unfeinen Kraftausdrücken anprangert, weswegen der Film in den USA für Jugendliche erst ab 17 Jahren freigegeben ist. Da die Rap-Nummern in der deutschen Fassung kaum übersetzbar wären, hat man auf eine Synchronisation des Films ganz verzichtet und mit Untertiteln gearbeitet.

    Auf der Flucht vor seinem Killer und der Presse taucht Bulworth in Hip-Hop-Klamotten in einem verrufenen Schwarzenviertel unter. Dort laufen andere Machtspiele, in die der Senator verwickelt wird, und der Vermittler des Auftragsmordes hat Kontakte zu der Szene. Und ausgerechnet Nina soll Bulworth seinem Killer ausliefern. Der Senator hat sich natürlich in sie verliebt und genießt völlig neue Beliebtheit bei den Wählern. Keine Überraschung: Ebenso wie der Buchhalter (Jean-Pierre Leaud) im Kaurismäki-Film "I Hired A Contract Killer" will Bulworth mit seinem neuen Lebensmut nicht mehr sterben.

    Die Satire auf das amerikanische Politikgeschäft ist deutlich, direkt, grob und fast zynisch. Sie stellt es gnadenlos bloß. "Die amerikanische Politik ist lächerlich", sagte Warren Beatty kürzlich in einem Fernsehinterview. "Was Leute tun müssen, was sie selbst nicht wollen!" Dies ist allerdings nun auch keine neue Entdeckung, und über den Vorwurf, daß millionenschwere Lobbyisten die Strippen im US-Wahlkampf ziehen, kommt die Kritik des gewendeten Jay Bulworth kaum hinaus.

    Dennoch können Zuschauer ihren Spaß an dem neuerwachten Jungrebellentum des 62jährigen Hollywood-Stars haben. Warren Beatty, der auch Koautor, Regisseur und Produzent des Films ist, wagt es, sich als runzeliger Rapper zum Narren zu machen. Ihm gelingen auch darüber hinaus ein paar witzige Gags, etwa wenn er damit spielt, daß er offenbar häufig mit George Hamilton verwechselt wird, oder wenn er bis an die Zähne bewaffnete Ghettokinder zum Eisessen einlädt.

    Allerdings wird Bulworth am Ende wieder seinen Anzug anziehen, die staatsmännische Attitüde zurückgewinnen und an die Arbeit gehen: "The show must go on."

    Inge Treichel, AP

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