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  • Kritik: Scorseses grandioses biographisches Drama "Kundun"

    Wenn der Dalai Lama regelmäßiger Kinogänger sein sollte, begegnet er sich in letzter Zeit immer öfter auf der Leinwand. Nach Jean-Jaques Annauds Verfilmung der Erinnerungen des Bergsteigers Heinrich Harrers an seine "Sieben Jahre in Tibet" ist der im Exil lebende geistige und politische Führer des buddhistischen Bergvolks auch der Held in Martin Scorseses neuem Epos "Kundun", das am 19. März in den deutschen Kinos anläuft.

    Im Gegensatz zu Annauds recht oberflächlich geratenem Streifen hat der bedeutende amerikanische Filmemacher sich der Substanz und dem Geheimnis einer der faszinierendsten lebenden Persönlichkeiten so bildmächtig angenähert, wie es von einem Scorsese auch kaum anders zu erwarten war. In 131 Minuten wird die Entwicklung eines zweieinhalbjährigen Bauernburschen zu einem gottgleich verehrten Mann gezeigt, der sein Land verlassen muß, um dessen Seele und Tradition zu retten.

    Mit riesigem Aufwand, prachtvollen Inszenierungen, aber doch fast immer auch mit Diskretion und Sensibilität bekundet Scorsese seine Sympathie mit dem "Kundun", wie die tibetanische Anrede des Dalai Lama lautet. Dem Schöpfer vieler Meisterwerke des zeitgenössischen Films gelingt es, die tiefgründige geistige Dimension seiner Hauptfigur zu erschließen. Diese Kraft, die von innen kommt und sich in den 24 ersten Lebensjahren des Dalai Lama, die im Film gezeigt werden, entwickelt hat, macht die ungebrochene Anziehungskraft des weltweit gefeierten Tibeters aus.

    Scorsese hat die Beweggründe für seinen neuen Film in einem Interview offengelegt: "Der Dalai Lama interessiert mich aus folgendem Grund: Hier ist ein Mensch, dem gelehrt worden ist, alle Probleme gewaltfrei, mit Mitgefühl und Liebe zu lösen - und er verhält sich tatsächlich so!" Und der Regisseur schildert auch, wie er dem schwierigen Stoff filmisch gerecht worden ist: "Die Action des Films ist Non-Action. Ich wollte keine lineare Geschichte erzählen - am Ende soll eine emotionelle Auflösung stehen. Eine, die man nicht in Worte fassen kann, sonst hätte ich den Film nicht gedreht."

    Es war gewiß nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen, die chinesischen Besatzer Tibets als Bösewichter und die Religiosität verachtende Kommunisten zu zeichnen. Doch Scorsese läßt sich nicht von billiger Schwarz-Weiß-Malerei verlocken, sondern zeigt die Chinesen als machtbewußte, aber nicht blutrünstige Sieger in einem völlig ungleichen Kampf. Die historische Begegnung des jungen Dalai Lama mit dem kettenrauchenden "Großen Vorsitzenden" Mao in Peking stellt sich dem Zuschauer durchaus vielschichtig dar. Der Film endet mit der Flucht des "Kundun" nach Indien. Es war der Anfang eines Exils, das noch nicht beendet ist, aber mit diesem Film noch hintergründiger wird.

    Wolfgang Hübner, AP

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