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  • Kritik: Schwarzeneggers Schläge

    Der Mann ist unschlagbar, besonders mit Feuerwaffen aller Art in den Pranken. Er arbeitet zielsicher und äußerst präzise. Wenn das Magazin seines Revolvers einmal klemmt, hilft die eisenharte Faust nach. Der Erfolg ist der gleiche: Seine Gegner winden sich entweder vor Schmerzen oder sind einfach mausetot. Denn das Kraftpaket mit den mächtigen Backenknochen und dem bohrenden Blick trägt seinen Spitznamen zu Recht: "Eraser", der Auslöscher.

    John Kruger heißt die Einmann-Armee offiziell und arbeitet als US-Marshall für das Zeugenschutzprogramm des FBI. Für die Bundesbehörde radiert er die Vergangenheit von Kronzeugen aus, um ihnen dann eine neue Identität zu verschaffen. So auch für die attraktive Wissenschaftlerin Lee (nicht nur als Sängerin, sondern auch als Schauspielerin akzeptabel: Vanessa Williams), die den Waffendeal zwischen einer US-Firma und russischen Terroristen aufdeckt. Doch Pech für Lee und ihren Beschützer, daß ausgerechnet Krugers Vorgesetzter eben in jenes Geschäft verwickelt ist. Der versucht fortan, alle Mitwisser aus dem Weg zu räumen. Doch bei Kuger, da beißt er auf Granit. Denn der Marshall ist kein Kindergarten-Cop.

    Natürlich verbirgt sich hinter der Maske des stoischen Ballermanns niemand anderes als Arnold Schwarzenegger. Und des "Ösis" weltweite Fangemeinde darf nach weniger erfolgreichen Ausflügen ihres Lieblings ins komödiantische Fach wieder aufatmen: Mit seiner Rolle als US-Marshall gebärdet sich Big Arnold wie in seinen früheren Filmen. Er ist "Predator", "Terminator" und "City-Hai" in eiserner Personalunion. Und wie in jenen brachialen Action-Werken, ist auch diesmal der Versuch müßig zu zählen, wie viele böse Jungs innerhalb von zwei Stunden ins Gras beißen müssen. "Eraser" von Regisseur Charles Russell erhebt keinen Anspruch auf intellektuelle Unterhaltung. Hier feiert sich das Genre auf martialische Art und präsentiert, was Hollywood derzeit an pyrotechnischem Schnickschnack und Computereffekten bereithält.

    So wird Kruger in 1000 Meter Höhe aus einem Jumbo gestoßen. Auf die Zähne beißend, klammert er sich draußen eisern an den Türrahmen. Sekunden später saust er an der brennenden Turbine vorbei und seinem bereits vorweg geeilten Fallschirm hinterher. James Bond und Freund Superman lassen grüßen.

    Im New Yorker Zoo bekommt es "Eraser" mit ausgewachsenen Alligatoren zu tun. Auch das Reptil ist nicht vor Schwarzeneggers Faustschlägen gefeit. Doch alles halb so wild. Denn die gefräßigen Riesenechsen sind rein digitalen Ursprungs und wurden erst später per Computertrick in den Film hineinkopiert. Das spart den Stuntman. Beim Finale legt Big Arnie dann - zwei High-Tech-Gewehre im Anschlag - eine ganze Hafenanlage in Schutt und Asche. Auch wenn monumentale Lagerhallen über ihm zusammenstürzen und es Handgranaten regnet, zuckt der mehrmalige "Mister Universum" nicht mal mit der Wimper.

    Leider verzichtet Schwarzenegger diesmal auf eine gesunde Portion Selbstironie, die die Distanz zwischen ihm und seiner Titelfigur wahren würde. So fühlt man sich zwar angesichts des pausenlosen Feuersturms auf der Leinwand bestens unterhalten, doch wirklichen Anteil am Schicksal des Helden nimmt man nicht.

    Wer sich allerdings eine der neun in Deutschland zu sehenden englischen Originalfassungen anschaut, der darf immerhin ab und an vor sich hinschmunzeln, macht Schwarzenegger den Mund auf - was selten genug vorkommt. Wenn Kruger-Arnold im reinsten Steiermark-Englisch zwischen den mächtigen Kiefern hervorpreßt "Ju ahr Laggitsch" und dann seinen Gegner zur tödlichen Gepäcksache deklariert, dann ist diese sprachliche Hilflosigkeit zum Schießen komisch.

    fuss "Eraser", USA 1996. 115 Minuten. FSK: Frei ab 16 Jahren. Startet mit 520 Kopien. Regie: Charles Russell. Drehbuch: Tony Puryear, Walon Green. Musik: Alan Silvestri. Darsteller: Arnold Schwarzenegger, James Caan, Vanessa Williams, James Coburn.

    Copyright: , 1996

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